Tallinn, Mai. Auf der Bühne von Latitude59 — einem jährlichen Technologieforum, das die Esten zu einem regionalen Pendant von Slush gemacht haben — wird sich dieses Jahr ein Team aus Kiew präsentieren. FPV Battleground, ein Startup, das einen taktischen Simulator für die Schulung von FPV-Drohnenoperatoren entwickelt, hat die Auswahl zum Finale des Pitch-Wettbewerbs unter Hunderten von Bewerbungen aus ganz Europa geschafft.
Das Produkt des Unternehmens ist nicht nur ein einfacher Spielsimulator. Nach Angaben der Gründer handelt es sich um eine Umgebung, die den Kampfbedingungen so nahe wie möglich kommt: Der Pilot trainiert Routen, die Reaktion auf Hindernisse und Szenarien zur Neutralisierung von Zielen in einem kontrollierten digitalen Raum, bevor er sich an ein echtes Kontrollgerät setzt. Der Bedarf nach einem solchen Instrument in der Ukraine ist offensichtlich — die Armee gibt Ressourcen für die Schulung von Operatoren aus, von denen einige sterben oder verwundet werden, bevor sie die notwendige Erfahrung sammeln.
Latitude59 zieht traditionell Investoren aus Nordeuropa an, die aktiv nach Defense-Tech-Projekten suchen, seit die NATO den Mitgliedstaaten Druck bei den Rüstungsausgaben erhöht hat. Der Gewinner des Pitch-Wettbewerbs erhält eine Investition von bis zu 500.000 Euro — kein Zuschuss, sondern Mittel mit konkreten Wachstumserwartungen.
Dies ist nicht das erste ukrainische Defense-Tech-Startup, das auf internationale Plattformen geht, aber der Kontext hat sich geändert: Während solche Unternehmen in den Jahren 2022–2023 hauptsächlich als Symbol der Widerstandsfähigkeit Aufmerksamkeit erhielten, stellen Investoren nun pragmatische Fragen — Skalierbarkeit, Patentschutz, Markt außerhalb der Ukraine.
FPV Battleground wird sich genau diesen Fragen stellen müssen. Ist ein Simulator, der auf die Besonderheiten eines Krieges zugeschnitten ist, für einen Investor, der einen Zeithorizont von fünf Jahren im Blick hat, ein Vorteil oder eine Einschränkung?