Mehr als zwei Milliarden Menschen telefonieren täglich über WhatsApp von der Straße, aus öffentlichen Verkehrsmitteln und offenen Büros. Bislang waren Kopfhörer oder Krisp – eine separate, kostenpflichtige Anwendung mit aufwendiger Konfiguration – die einzigen Lösungen. Meta hat sich entschlossen, die Rauschunterdrückung direkt in den Messenger zu integrieren.
Wie es funktioniert
Die Funktion erschien in der Beta-Version von WhatsApp für Android 2.26.14.1 und ist derzeit für eine begrenzte Gruppe von Testern über den Google Play Store verfügbar. In den Anrufeinstellungen wird ein separater Schalter „Rauschunterdrückung" erscheinen – den Vorinformationen zufolge wird er standardmäßig aktiviert sein. Der Algorithmus filtert in Echtzeit Verkehrslärm, Wind, Menschengewimmel heraus und bewahrt dabei die Stimme des Gesprächspartners.
Aber es gibt ein Detail, das man leicht übersehen kann.
Die Aktivierung der Rauschunterdrückung verbessert nur, wie andere Sie hören. Wie Sie hören – das hängt davon ab, ob Ihr Gesprächspartner die Funktion aktiviert hat.
WABetaInfo, nach Angaben von Business Standard
Die Funktion funktioniert also einzeln auf jedem Gerät, nicht auf Anrufebene. Das ist kein Bug – es ist eine architektonische Entscheidung. Aber das bedeutet, dass der vollständige Effekt „sauberes Signal von beiden Seiten" nur möglich ist, wenn beide Gesprächsteilnehmer den Schalter aktiviert haben und beide Android verwenden.
Warum jetzt und warum ist das nicht so offensichtlich
Zoom und Microsoft Teams verfügen bereits seit Jahren über Rauschunterdrückung – aber das sind Werkzeuge für die Unternehmensumgebung mit bezahlten Plänen. WhatsApp wird dagegen dort verwendet, wo Zoom nie Fuß fasst: auf Märkten in Kairo, in Sammeltaxis in Charkiw, auf Baustellen in Warschau. Genau dort hat die Rauschunterdrückung im Hintergrund den größten praktischen Nutzen – und genau dort sind bezahlte Lösungen bislang nicht angekommen.
- Android und iOS erhalten die Funktion separat – aufgrund von Unterschieden in der Soundverarbeitungsarchitektur der Plattformen
- Ein breiteres Rollout für die Android-Beta wird in den kommenden Wochen erwartet
- Zeitpläne für das iOS-Release wurden noch nicht angekündigt
Was sich dadurch ändert
Sollte die Funktion wirklich standardmäßig aktiviert sein, werden die meisten Nutzer sie nach dem Update ohne jede Aktion ihrerseits erhalten – einfach automatisch. Das ist selten bei Einstellungen, die die Verbindungsqualität beeinflussen: In der Regel sind sie tief im Menü versteckt, und 90% der Menschen wissen nicht von ihrer Existenz.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Funktion erscheint – sondern wie effektiv sie auf günstigen Android-Geräten mit schwachen Prozessoren funktioniert, wo die meisten WhatsApp-Nutzer im globalen Süden leben. Falls der Algorithmus erhebliche Rechnerressourcen erfordert, könnte er dort entweder den Akku belasten oder überhaupt nicht funktionieren.