In der Nacht zum 2. Juli führte Russland einen massiven kombinierten Anschlag auf Kyjiw durch – zunächst mit Drohnen aus mehreren Richtungen, dann mit Marineflugkörpern. Ein Geschoss traf das Gebäude einer Notfallambulanzenstation im Bezirk Schewtschenko.
Nach Aussagen des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko sind unter den Verletzten Mediziner und Fahrer der Station. Zwei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.
Einer von ihnen, ein Notfallhelfer, befindet sich in kritischem Zustand. Bisher sind fünf Verletzte – Mediziner und Fahrer der Station – bekannt.
— Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kyjiw
Bei demselben Anschlag wurde ein neunstöckiges Wohnhaus im Bezirk Schewtschenko getroffen: Nach Angaben von United24 Media wurden Wohnungen vom ersten bis sechsten Stockwerk zerstört, mehrere Bewohner wurden unter den Trümmern eingeschlossen. Im Bezirk Holosijiw geriet das Dach eines Mehrfamilienhauses in Brand.
Ausmaß des Anschlags
Der Chef der Kiewer Stadtmilitäradministration Timur Tkachenko verzeichnete Beschädigungen an 28 Orten in der gesamten Stadt – Wohnhäuser, ein Hotel im Zentrum, ein Markt, Lagerhallen. Nach seinen Angaben „zielt der Feind gezielt erneut auf Wohnviertel". Bis zum Morgen wurden mindestens acht Tote gezählt und über 34 Verletzte, wie UNN berichtet.
Der Anschlag entfaltete sich in mehreren Wellen. Bereits am Abend des 1. Juli warnte Präsident Selenskyj, der sich zu Besuch in Irland aufhielt, öffentlich vor einem bevorstehenden massiven Anschlag und kehrte eilig nach Kyjiw zurück.
Mediziner unter Beschuss – nicht das erste Mal
Der Anschlag auf die Ambulanzstation ist kein isolierter Fall. Nach Angaben von Al Jazeera wurden weltweit im Jahr 2025 bisher 1.348 Anschläge auf Gesundheitseinrichtungen registriert – doppelt so viele wie 2024. Darunter sind zahlreiche Anschläge auf ukrainische medizinische Einrichtungen und Krankenwagen direkt an der Frontlinie.
Die Genfer Konventionen verbieten ausdrücklich Anschläge auf medizinisches Personal und medizinische Objekte – unabhängig davon, wo sie sich befinden. Die Ambulanzstation ist keine Fronteinrichtung: Sie steht in einem Wohnviertel der Hauptstadt.
Das Verteidigungsministerium Russlands behauptete wie üblich, ausschließlich „militärische und Energieinfrastruktur" angegriffen zu haben.
Falls der Notfallhelfer, der sich in kritischem Zustand befindet, überlebt – werden die Details des Anschlags und der Munitionstyp entscheidend für die internationale Dokumentation sein: Es muss festgestellt werden, ob die Ambulanzstation zum Zeitpunkt des Abschusses als medizinisches Objekt identifizierbar war.