Energie-Waffenruhe zu Kiews Bedingungen: Raffinerien gegen das Energiesystem

Selenskyj schlägt einen gegenseitigen Verzicht auf Angriffe vor: ukrainische Schläge gegen russische Raffinerien im Austausch gegen ein Ende der russischen Angriffe auf die Energieversorgung. Die Schlüsselfrage lautet, wer die Garantien wie überprüfen soll, wenn der Druck Washingtons auf Kiew wegen der Raffinerien bereits anhält.

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Die Ukraine werde ihre Angriffe auf russische Raffinerien einstellen, wenn Russland aufhöre, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Diese Bedingung formulierte Präsident Wolodymyr Selenskyj, wie UNN berichtet. Es gehe nicht um eine einseitige Geste, sondern um einen Austausch: Jegliche Deeskalationsschritte müssten, so betonte er, gegenseitig sein und durch reale Garantien untermauert werden.

Selenskyj sagte zudem, die Angriffe auf die Energieversorgung könnten schon heute gestoppt werden, doch Putin wolle das seiner Ansicht nach nicht.

Die Woche in Zahlen

Seinen Vorschlag begleitete der Präsident mit Statistiken zu den russischen Angriffen. Ihm zufolge setzte Russland allein innerhalb einer Woche rund 1450 Gleitbomben, 75 Raketen verschiedener Typen und mehr als 1640 Angriffsdrohnen ein. Etwa 60 % der Drohnen seien strahlgetrieben.

Der vergangene Tag sah nach den Worten des Staatschefs so aus:

  • In Saporischschja wurden die Such- und Rettungsarbeiten erst am Morgen beendet: 23 Menschen kamen ums Leben, vier davon Kinder;
  • in Charkiw griffen die Russen eine medizinische Einrichtung an;
  • in der Nacht standen zivile Infrastruktur, Wohnhäuser und die Energieversorgung unter Beschuss;
  • in Slowjansk wurde ein Hauseingang eines fünfstöckigen Wohnhauses zerstört, unter den Trümmern könnten sich Menschen befinden.

Warum gerade Raffinerien

Der Vorschlag betrifft zwei Kampagnen unterschiedlicher Art. Russland beschießt das ukrainische Energiesystem massiv und kombiniert dabei Bomben, Raketen und Drohnen. Die Ukraine antwortet mit gezielten Langstreckenschlägen auf Verarbeitungskapazitäten, die Treibstoff liefern, auch für die Armee. Beide Seiten versuchen so, die Fähigkeit des Gegners zur Kriegsführung zu untergraben, weshalb ein Tausch „Raffinerien gegen Energieversorgung“ logisch erscheint. Allerdings ist er schwer zu überprüfen: Die Liste der Objekte, die unter das Verbot fallen würden, und der Kontrollmechanismus sind bislang nicht benannt.

Washington zwischen zwei Positionen

Der Vorschlag kam vor dem Hintergrund amerikanischen Drucks. Laut den im UNN-Beitrag angeführten Angaben drohten Vertreter der Regierung von Donald Trump damit, die Weitergabe von Aufklärungsdaten an die Ukraine einzustellen, falls Kiew weiterhin die Forderungen Washingtons ignoriere, die Angriffe auf Raffinerien zu stoppen. Für Langstreckenangriffe hat die Aufklärung praktische Bedeutung: Von ihr hängen die Auswahl der Ziele und der Flugrouten ab.

Zugleich dankte Trump Putin für die Vereinbarungen über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs in die USA. Die amerikanische Regierung erlaubte den Verkauf russischen Diesels auf dem Weltmarkt für sechs Monate. Diese Entscheidung wurde von einflussreichen demokratischen Senatoren scharf kritisiert.

Kiew bietet also Gegenseitigkeit an, wo man von ihm Einseitigkeit verlangt. Das ist ein ehrlicherer Rahmen als eine schlichte Absage: Er lässt der Ukraine ein Druckmittel und verlagert das Gespräch auf die Frage, was genau Moskau einzustellen bereit ist.

Der Verteidigungsteil

Selenskyj fügte hinzu, dass am selben Tag die Abstimmung mit den Partnern weitergehe, darunter Gespräche mit europäischen Staats- und Regierungschefs. An zusätzlichen Verteidigungspaketen, vor allem für die Luftabwehr und für Munition für die Kampfflugzeuge, werde täglich auf verschiedenen Ebenen gearbeitet. Die Luftabwehr bleibt die wichtigste Antwort auf die Angriffe auf die Energieversorgung, solange es keine Vereinbarungen gibt.

Jegliche Deeskalationsschritte müssen gegenseitig sein und mit echten Garantien einhergehen.

Diese Formulierung Selenskyjs entscheidet auch darüber, ob der Vorschlag praktischen Sinn hat. Wenn Moskau den Tausch annimmt, stellt sich die Frage, wer Verstöße feststellt und ob Kiew genug Aufklärungsdaten und Luftabwehr hat für den Fall, dass die Vereinbarung nicht funktioniert. Wenn Moskau ihn nicht annimmt, kann die Ukraine belegen, dass das Scheitern der Energie-Waffenruhe nicht ihre Entscheidung war – und das ist bereits ein Argument im Gespräch mit Washington, aber kein Ersatz für den Schutz des Himmels.

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