12. Juni verabschiedete das Kabinett der Minister ein Paket von Verordnungen, das die erste Phase einer umfassenden Umgestaltung des Militärdiensts einleitet. Premierministerin Julia Swyrydenko, Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskij und Verteidigungsminister Mychajlo Fedorov präsentierten die Reform synchron — neue Verträge, erhöhte Gehälter und einen Aufschubmechanismus, den es in der ukrainischen Armee bislang nicht gab.
Formel: Je mehr Kampfeinsätze — desto längerer Urlaub
Das Kernelement der Reform ist der kumulierte Aufschub. Nach Beendigung des Vertrags erhält jeder Soldat garantiert mindestens sechs Monate. Der weitere Zeitraum wird individuell berechnet.
Je länger der Dienst — desto länger ist der garantierte Aufschub. Eines der Prinzipien des neuen Vertragssystems ist es, den bereits zurückgelegten Weg des Soldaten fair zu berücksichtigen.
— Mychajlo Fedorov, in Telegram
Der Schlüsselkoeffizient: Ein Monat in Kampfpositionen wird mit drei Monaten Aufschub „bezahlt". Fedorov nannte ein konkretes Beispiel: Ein Zivilist, der einen Infanterie-Sturm-Vertrag über 14 Monate unterzeichnete und vier Monate direkt in Kampfhandlungen verbrachte, erhält 12 Monate für Kampfeinsätze plus garantierte sechs — insgesamt anderthalb Jahre.
Für diejenigen, die seit 2021 in der Armee sind, wird anders gerechnet: Für jedes Dienstjahr nach 2022 werden weitere sechs Monate Aufschub hinzugefügt, für ein Jahr vor 2022 — ein Monat. Ein solcher Militärangehöriger mit einem 10-Monats-Vertrag und derselben Kampferfahrung sammelt bereits über drei Jahre Ruhe vom Wehrdienst an.
Neue Verträge: drei Typen, klare Bedingungen
- Infanterie-Sturm — 10 Monate (für aktive Soldaten) oder 14 Monate (für Zivilisten).
- Kampf — 24 Monate: Artillerie, Panzerfahrer, Flugabwehr, Drohnenoperatoren für schwere Drohnen.
- Basis — 24 Monate: Logistik, Stab, technische Dienste; Recht zum freiwilligen Wechsel zu einem Kampfvertrag vorgesehen.
Die Gehälter wurden erhöht: Minimales Geldeinkommen im Hinterland — 30.000 Hrywnja, durchschnittliche Zahlung für einen Infanteristen — etwa 300.000, Maximum — bis zu 460.000 Hrywnja pro Monat. Kommandanten erhielten erstmals ihre eigene Skala: Kommandant eines Korps — bis zu 230.000 Hrywnja.
Schrittweise Entlassung — keine Demobilisierung
Separat kündigte Fedorov die Entlassung aus dem Dienst für diejenigen an, die am längsten in den Streitkräften sind und die meiste Zeit in Kampfhandlungen verbracht haben.
Unsere Aufgabe ist es, das System des Militärdienstes vorhersehbar und fair zu gestalten. Diejenigen, die das Land am längsten verteidigt haben, sollten mehr Zeit zur Erholung nach Beendigung des Dienstes erhalten.
— Mychajlo Fedorov
Der Minister betonte: Der Prozess beginnt bis Ende 2025 und wird genau schrittweise erfolgen — nicht auf einmal. Ein formelles Startdatum und eine öffentlich bekannt gemachte Liste von Auswahlkriterien gab es nicht. Das Ministerium für Verteidigung empfiehlt, Details der Aufschubsbedingungen und -berechnungen auf der Website des Vertragssystems der Streitkräfte oder unter der Nummer 1519 zu klären.
Ausländer in der Infanterie: Ziel — bis zu die Hälfte der Sturmposten
Parallel zu den Änderungen der Dienst bedingungen für Ukrainer kündigte Syrskij die Öffnung des Rekrutierungsmarktes für Ausländer in Kampfeinheiten an. Das erklärte Ziel ist, 30–50% der Positionen von Sturmtruppen und Infanteristen mit ausländischen Freiwilligen zu besetzen. Der Oberbefehlshaber nannte dies die „größte Umgestaltung des Militärdienstes in der Geschichte des Staates".
Die Reform ist systematisch: Sie betrifft gleichzeitig Anreize für den Eintritt (Gehalt), Bedingungen für die Absolvierung (klare Vertragsfristen) und den Austritt aus dem Dienst (Aufschub, Entlassung). Die Frage ist, ob der Mechanismus dort funktioniert, wo er am wichtigsten ist: Wenn die erfahrensten Kämpfer wirklich bis Ende des Jahres in den Urlaub gehen — werden genug neue Vertragspartner vorhanden sein, um ihre Positionen an vorderster Front zu schließen?