Auf der internationalen Rüstungsmesse Eurosatory-2026 in Paris nannte der Chefkonstruktor und Mitbegründer von Fire Point Denis Schtilerman eine Zahl, die das Ausmaß eines einzelnen privaten Unternehmens in diesem Krieg neu bewertet: Die Drohnen FP-1 und FP-2 sind für bis zu 60% der Anschläge auf Ziele im russischen Territorium verantwortlich und für etwa 60% der Treffer auf Ziele mittlerer Reichweite.
Dies ist keine Marketingaussage am Messestand — es ist die logische Bilanz einer Entwicklung, die das Unternehmen in zwei Jahren durchlaufen hat. Vom Startup zum Unternehmen mit einer Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar, von einigen Dutzend Drohnen pro Monat zu etwa 260 Einheiten pro Tag, wie CEO Irina Terech auf einem Meisterclass bei Sciences Po unmittelbar vor der Messe mitteilte.
Was macht die FP-1 zur Massenwaffe
Die FP-1 ist eine Einwegangriffsdrohne, die Ende 2024 eingeführt wurde. Ihre Reichweite beträgt bis zu 1600 km bei der aktuellen Sprengladung von 113 kg. Der Preis liegt bei etwa 55.000 Dollar pro Einheit. Nach Schtilermans Angaben wird die modernisierte Version 105 kg über mehr als 1000 km tragen — gegenüber derzeit 60 kg. Die Änderung der Kraftstofftankstruktur (Verlegung in die Flügel) brachte beide Verbesserungen gleichzeitig.
Die FP-2 ist eine operative und taktische Version für Anschläge auf 200–300 km. Nach der Modernisierung wird ihre Sprengladung von 105 auf 158 kg erhöht. Beide Systeme werden von Lastwagen abgefeuert, die als Zivilfahrzeuge getarnt sind — das Unternehmen hat sich von stationären Plattformen und Flugplätzen abgewandt.
Schtilerman beschrieb auch eine neue Taktik, die die ZSU gegen feindliche Flugzeuge anwendet: Die FP-1 trägt zwei Kampfquadrokopter und bezieht Position in der Nähe eines russischen Flugplatzes im Wartezustand — bis ein Zielflugzeug erscheint.
«Wir legen Hinterhalte bei russischen Flughäfen».
Denis Schtilerman, Mitbegründer von Fire Point, 24 Kanal
Vollständige Produktlinie — zum ersten Mal in Paris
Eurosatory war die erste Teilnahme von Fire Point auf dieser Messe. Das Unternehmen stellte nicht Modelle, sondern echte Muster aus — ohne Navigationssysteme und Sprengladungen. Die Produktlinie umfasst:
- FP-1 / FP-2 — Angriffsdrohnen für Tiefschlag und Mittelstrecke
- FP-5 Flamingo — bodengestützte Marschflugkörper mit Reichweite bis 3000 km und Sprengladung 1150 kg; bereits gegen das Verteidigungswerk in Tscheboksary eingesetzt
- FP-7.x — Flugabwehrrakete, wird als Grundelement des zukünftigen gesamteuropäischen Schutzschildes FREYJA betrachtet
- FP-9 — Ballistische Rakete mit Reichweite bis 850 km und Nutzlast 800 kg; Länge etwa 9,5 m, Durchmesser bis 1,1 m, was sie größer als «Iskander» und ATACMS macht
Die FP-9 wartet auf die Kodifizierung durch das ukrainische Verteidigungsministerium voraussichtlich Sommer 2026. Die Produktion ist zu 90% in der Ukraine lokalisiert — Schlüsselkomponenten (Motor, Navigation, Servos) sollen ausschließlich im Inland hergestellt werden. Die Firma zeigte auf der Messe auch ihre eigenen Maschinen AKIRO/KUROSAVA zur Herstellung von Verbundstoffkomponenten für FP-5, FP-7 und FP-9.
Zum Vergleich: Die FP-7 — eine taktische ballistische Rakete mit Reichweite bis 200 km und Sprengladung etwa 150 kg — ist ein «Klon» der sowjetischen Architektur 48H6 aus S-400-Systemen, aber aus Verbundstoffmaterialien und mit eigenem Zielerfassungssystem hergestellt.
Sollte die FP-9 die Kodifizierung bestehen und diesen Sommer in Serienproduktion gehen, erhält die Ukraine ihre eigene ballistische Rakete, die bis Moskau reichbar ist — ohne Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen. Die Frage ist eine andere: Kann ein Unternehmen, das bereits 260 Drohnen pro Tag herstellt, gleichzeitig die Raketenproduktion hochfahren, ohne die Kontrollqualität zu verlieren — oder ist dies der Punkt, an dem private Initiative staatliche Integration erfordert.