Außerhalb der Drohnenzone: Warum die ukrainischen Streitkräfte Raketen für die vordere Tiefenstaffelung brauchen

Ukrainische Drohnen haben eine Sperrzone von bis zu 40 km Tiefe entlang der Front geschaffen – doch dahinter positioniert der Feind frei Lager, Kasernen und Ausrüstung. Der Militärexperte Alexei Hetman erklärt, warum für diese Ziele eine separate Waffenkategorie erforderlich ist.

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Die Diskussion über Langstreckenraketen verdrängt ein weniger lautes, aber nicht weniger wichtiges Problem von der Tagesordnung: Wie man Ziele in der unmittelbaren Tiefenstaffelung des Gegners erreichen kann – in einer Entfernung von 40–150 Kilometern von der Frontlinie.

Was ist eine Killzone und wo endet sie

In den letzten Jahren haben ukrainische FPV-Drohnen und Kampfdrohnen entlang der gesamten Front eine Zone ständiger Zerstörung gebildet. Nach Angaben von Espreso.tv haben die ZSU die effektive Killzone auf 30–40 Kilometer von der Kontaktlinie erweitert und zwangen Russland, seine Panzertechnik hinter diese Marke zurückzuziehen. Einzelne Einheiten, insbesondere solche, die faseroptische Drohnen einsetzen, arbeiten bereits stabil in einer Tiefe von 20–30 Kilometern.

Allerdings ist eine Killzone keine physische Mauer. Dahinter beginnt ein Raum, in dem sich der Feind noch relativ sicher fühlt: Dort stehen Kasernen, Munitions- und Treibstofflager, Logistikknotenpunkte. Genau dieser Bereich – von etwa 40 bis 150 Kilometern – ist die operative Lücke im ukrainischen Feuergürtel.

Hetmans Argument: nicht Reichweite, sondern Zweckmäßigkeit

«Wenn ein Ziel mit einer Rakete geringerer Reichweite zerstört werden kann, die erheblich billiger ist, dann sollte man genau das tun. Dies ist nicht nur eine Frage der militärischen Effizienz, sondern auch der Kriegsökonomie».

Militärexperte Oleksij Hetman, Kommentar für UNN

Nach Hetmans Aussagen geht es um ballistische Kurzstreckenraketen – praktisch das moderne Äquivalent des sowjetischen Systems „Punkt-U". Er betont: Der Bedarf an solchen Waffen bestand bereits vor einigen Jahren und ist keineswegs verschwunden. Der Einsatz teurer Langstreckenraketen gegen Lager in der unmittelbaren Tiefenstaffelung ist eine ineffiziente Ressourcenverschwendung.

Man sollte sich eine solche Rakete nicht als «Iskander-M» vorstellen, der fast ins All aufsteigt, präzisiert der Experte. Es ist ein kompakteres, günstigeres System für Schläge auf taktische und operative Tiefe.

Kontext: Was bereits vorhanden ist und was fehlt

Die Ukraine bewegt sich in diese Richtung. Im Mai 2025 fand die erste dokumentierte Kampfeinsatz des operativ-taktischen Raketensystems «Sapsan» statt – die Rakete traf einen russischen Kommandobunker in einer Entfernung von etwa 300 Kilometern. Nach Aussagen des Leiters des Büros des Präsidenten, Andrij Jermak, wurde die Serienproduktion bereits gestartet.

Aber «Sapsan» ist ein System für tiefe Schläge. Für die Spanne zwischen der Killzone von Drohnen und der Reichweite strategischer Raketen fehlt immer noch eine Massenlösung, die kostengünstig ist. Wie der Analyst Fabian Hoffmann in einer Studie für Focus.ua anmerkt, war das Programm «Grom-2» jahrelang mit finanziellen und technologischen Verzögerungen konfrontiert – und diese Lücke in den Feuerfähigkeiten bleibt ungelöst.

Das ISW verzeichnete separat, dass die Fähigkeit der Ukraine, bewegliche Ziele und Logistik weit hinter der Frontlinie anzugreifen, Russlands Fähigkeit, Offensivoperationen durchzuführen, schrittweise schwächt. Aber dieser Effekt wird hauptsächlich durch Drohnen erreicht – ein Mittel, das anfällig für elektronische Kriegsführung und Wetterbedingungen ist, nicht durch Raketen mit garantierter Kampflast.

Was kommt danach

Während die ZSU die Produktion von «Sapsan» für tiefe Schläge steigern, bleibt die Frage der Raketen für die mittlere Zone – von 40 bis 150 Kilometern – offen. Wenn die Ukraine diesen Bereich nicht mit einem eigenen Seriensystem füllt, wird der Feind selbst unter Bedingungen vollständiger ukrainischer Drohnendominanz an der Front einen strukturellen Vorteil beim Schutz der rückwärtigen Logistik haben.

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