Großbritannien unterwirft Netflix, Amazon Prime und Disney+ den Rundfunkregeln — was sich für Inhalte und Sicherheit ändert

Ofcom erhält Befugnisse, Beschwerden über Streaming-Dienste anzunehmen und Verstöße zu untersuchen — warum das für Nutzer wichtig ist und warum Londons Entscheidung für die Ukraine von Bedeutung ist.

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Фото: EPA / RONALD WITTEK

In zwei Sätzen

Das Vereinigte Königreich bereitet Sekundärgesetzgebung zur Umsetzung des Media Act 2024 vor, um die Befugnisse Ofcom auf die beliebtesten Streaming‑Dienste — Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und andere — auszudehnen. Das bedeutet, dass die Plattformen für Inhaltsstandards dieselbe Verantwortung tragen werden wie traditionelle Rundfunkanbieter.

"Ähnlich dem Rundfunkkodex wird dies die Genauigkeit und Unparteilichkeit der Berichterstattung gewährleisten und das Publikum vor schädlichen oder beleidigenden Inhalten schützen. Das Publikum kann Beschwerden bei Ofcom einreichen, wenn es etwas Beunruhigendes bemerkt, und Ofcom wird die Befugnis haben, Untersuchungen durchzuführen und Maßnahmen zu ergreifen, wenn es der Ansicht ist, dass eine Verletzung des Kodex stattgefunden hat."

— Pressestelle der britischen Regierung

Wen die Entscheidung betrifft

Dienste mit mehr als 500.000 Nutzern im Vereinigten Königreich werden als Dienste der „1. Stufe“ eingestuft und unter den neuen Kodex fallen. Nach Angaben der Regierung sind rund zwei Drittel der Haushalte mindestens bei einer der Plattformen angemeldet; 85% der Menschen nutzen monatlich Video‑on‑Demand, verglichen mit 67%, die Live‑Fernsehen sehen.

Was von den Plattformen verlangt wird

Zu den zentralen Vorgaben gehört, dass mindestens 80% des Katalogs mit Untertiteln versehen sein müssen, 10% mit Audiodeskriptionen und 5% mit Untertiteln/Captions. Neben der Barrierefreiheit öffnet die Regulierung einen Mechanismus zur Prüfung von Zuschauerbeschwerden: Ofcom wird Untersuchungen durchführen und Maßnahmen ergreifen können, wenn gegen Standards verstoßen wurde.

Kontext und Folgen

Das sind nicht nur technische Vorgaben zu Untertiteln oder Videoformaten. Die Ausweitung der Befugnisse des Regulierers schafft einen Präzedenzfall für die Rechenschaftspflicht globaler Plattformen: Wer kontrolliert Inhalte, wer ist für Desinformation verantwortlich und wie schnell wird auf Beschwerden reagiert.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Für die Ukraine, die einem Informationsdruck durch den Feind ausgesetzt ist, sind rechenschaftspflichtige Plattformen ein zusätzliches Instrument, um schädlichen Narrativen in Partnerländern und in der Diaspora entgegenzutreten. Wenn Ofcom strenge Standards für Genauigkeit und Unparteilichkeit durchsetzt, erschwert das die Verbreitung von Manipulationen im Vereinigten Königreich, wo eine bedeutende ukrainische Gemeinschaft lebt.

Weitere Signale aus der Branche

In der Pressemitteilung wurde außerdem erwähnt, dass Netflix große Updates der App vorbereitet, mit Schwerpunkt auf vertikalen Videos (analog zu TikTok und YouTube Shorts) und generative künstliche Intelligenz aktiv in die Content‑Produktion einführt. Die Regulierung verstärkt die Fragen nach der Transparenz von Algorithmen und der Verantwortung für automatisierte Entscheidungen.

Fazit

Die Entscheidung aus London erhöht den Regulierungsstandard für globale Streamingdienste: Sie müssen künftig Standards erfüllen, die das Publikum schützen und die Zugänglichkeit von Inhalten verbessern. Ob dies ein wirksamer Mechanismus zur Bekämpfung von Desinformation wird, hängt davon ab, wie schnell und entschlossen Ofcom diese neuen Befugnisse anwendet und ob die Ankündigungen zu konkreten Sanktionen und zu Änderungen in der Praxis der Plattformen führen.

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