Am 15. April wiederholte die Nationalbank der Ukraine das, was sie bereits früher gesagt hatte: Banken haben nicht das Recht, automatisch alle politisch exponierten Personen (Politically Exposed Persons, PEP) in die Kategorie der Hochrisikokunden einzuordnen und ihnen grundlos Finanzdienstleistungen zu verweigern. Die Erklärung selbst ist neu. Die Situation, die sie beschreibt, ist es nicht.
Was die NBU sagt und was dahinter steckt
Der Regulator besteht auf einem risikoorientierten Ansatz: Der Umfang der Kundenprüfung sollte dem tatsächlichen Risiko einer bestimmten Operation entsprechen, nicht dem Status in einem Register. Die NBU weist insbesondere darauf hin, dass Banken nicht verpflichtet sind, Dokumente über die Herkunft von Vermögen zu verlangen, wenn das Konto überwiegend für Gehalt oder Sozialleistungen verwendet wird und der Transaktionsumfang 400.000 Hrywnja pro Monat nicht überschreitet.
«Banken sollten nicht formal an die Bedienung von Kunden herangehen – PEP, Familienmitglieder und nahestehende Personen, alle PEP in die Kategorie der Hochrisikokunden einordnen und für sie grundlos den Zugang zu Finanzdienstleistungen einschränken».
— Pressestelle der NBU, 15. April 2025
Diese Position ist formal bereits in den Änderungen des Gesetzes über die Finanzüberwachung verankert: Die Norm über die obligatorische Einstufung nationaler PEP mit hohem Risiko wurde aufgehoben. Die Verantwortung für grundlose Risikostufenerhöhung ist theoretisch vorgesehen – eine Geldstrafe von bis zu 100.000 Steuervergünstigungsmindestbeträgen.
Warum Banken weiterhin blockieren
Die von Juristen beschriebene Praxis weicht radikal von der Position des Regulators ab. Wie Interfax-Ukraine feststellte, wurde keine Bank von der NBU bestraft für übermäßigen Druck auf Amtsträger oder Verfahrensverletzungen bei Ablehnungen. Im Bericht des Staatsdienstes für Finanzüberwachung für 2025 fehlen jegliche Statistiken über PEP-Ablehnungen, blockierte Transaktionen oder tatsächlich an den Staat zurückgebrachte Schattengelder.
Ein besonderes Problem ist die Fernbedienung: Ehemalige Beamte wird die Kontoeröffnung über die App «Diia» unter dem Vorwand technischer Fehler blockiert – während der Service für andere Kundenkategorien normal funktioniert. Juristen vergleichen die Situation mit der europäischen Praxis, wo die EU-Behörde AMLA einheitliche technische Standards für die Arbeit mit PEP festlegt. In der Ukraine hat die NBU nach Angaben von Juristen die Ausarbeitung der Regeln vollständig den Banken überlassen – was zu Unterschieden und Missbrauch führt.
Korruptionslogik gegen Bankenvorsicht
Das Paradoxon der Situation liegt darin, dass beide Seiten auf das gleiche Argument hinweisen. Banken sind zu vorsichtig, weil die Ukraine den Ruf eines Landes mit hoher Korruption hat und FATF strategische Mängel im Bereich der Bekämpfung von Geldwäsche feststellt. Transparency International Ukraine wiederum besteht darauf: «Wo es hohe Risiken gibt, sind strengere Mechanismen erforderlich». Aber die Strenge eines Mechanismus und totale Blockierung sind verschiedene Dinge.
Die NBU wählt derzeit die Taktik wiederholter Empfehlungen statt systematischer Aufsicht mit echten Sanktionen. Der Unterschied zwischen «Regulator hat gewarnt» und «Regulator hat bestraft» bleibt entscheidend – und Banken spüren ihn deutlich.
Wenn die NBU bis Ende 2025 keine Statistik über Prüfungen und Strafen für Verstöße gegen die Rechte von PEP veröffentlicht, bleibt das nächste Empfehlungsschreiben genau das, was es jetzt zu sein scheint: ein Signal für die Öffentlichkeit, kein Instrument zur Änderung des Bankenverhaltens.