Großbritannien verhängt größtes Sanktionspaket gegen Russland seit 2022 – im Fokus: Transneft und die Schattenflotte

Das Paket betraf rund 300 Personen und Unternehmen – von einem Betreiber von Ölpipelines über LNG‑Terminals bis hin zu 175 mit der Schattenflotte verbundenen Firmen. Wir erklären, warum das für die Ukraine gerade jetzt wichtig ist.

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Фото: пресслужба Транснєфті

Kurz: was angekündigt wurde

Am Dienstag, dem 24. Februar, hat die britische Regierung das seit 2022 größte Sanktionspaket gegen Russland veröffentlicht. Nach offiziellen Angaben der britischen Regierung stehen etwa 300 natürliche und juristische Personen auf der Liste, und im britischen Sanktionsregister gibt es bereits mehr als 3.000 Einträge zu Personen, Unternehmen und Schiffen, die mit dem Kreml-Regime verbunden sind.

Wer betroffen ist

Hauptziel ist das Unternehmen Transneft, über das mehr als 80% des russischen Ölexports läuft und das den russischen Abschnitt der Pipeline „Druzhba“ kontrolliert, die weiterhin Öl nach Ungarn und in die Slowakei liefert. In das Paket wurden außerdem drei Tochterfirmen von Rosatom aufgenommen (REIN Engineering, Rusatom Overseas, Rusatom Energy Projects), das Netzwerk der Schattenflotte 2Rivers (früher Coral Energy) — 175 Unternehmen und 48 Tanker — sowie 49 Personen und Organisationen, die an der Lieferung von Komponenten für russische Drohnen beteiligt sind.

Separat auf der Liste stehen — neun Banken (Pochta Bank, Avers, Transkapitalbank, Absolut Bank, Sinara Bank, Lanta‑Bank, Bank „Tochka“, Ak Bars Bank, Fora‑Bank), drei Unternehmen aus dem Nuklearsektor und sechs LNG‑Anlagen, darunter die Terminals Portova und Vysotsk. Ebenfalls unter Sanktionen stehen die georgischen Fernsehsender Imedi und PosTV, deren Tätigkeit in Großbritannien als russische Propaganda eingestuft wurde.

Was das für die Ukraine bedeutet

Erstens zielen die Sanktionen darauf ab, die Einnahmen des Kremls aus dem Energieexport zu verringern und die Logistik für Umgehungen von Beschränkungen (Schattenflotte) zu erschweren. Zweitens macht die Abschaltung oder Einschränkung der Tätigkeit von Unternehmen, die den Transit der „Druzhba“ bedienen, die Risiken für Transitländer deutlich und erzeugt zusätzlichen Handels‑ und diplomatischen Druck in der Region.

Für die Ukraine ist das in drei Dimensionen wichtig: Energiesicherheit (Einschränkung der Einnahmen des Aggressors), Diplomatie (Druck auf die Mittler des Transits) und praktische Hilfe: Großbritannien kündigte die Bereitstellung von £30 Mio. für den Wiederaufbau der ukrainischen Energieinfrastruktur an.

"Es sind bereits vier Jahre vergangen, seit Russland das begann, was Putin für eine Dreitagesoperation hielt... Der Mut und die Entschlossenheit des ukrainischen Volkes bleiben ungebrochen"

— Yvette Cooper, britische Außenministerin

Internationaler Kontext

Der britische Schritt erfolgt vor dem Hintergrund schwieriger Koordination in der EU: Das angekündigte Sanktionspaket in der EU sollte bis zum 24. Februar verkündet werden, wurde aber von Ungarn blockiert als Reaktion auf die Einstellung des Transits russischen Öls über die „Druzhba“. Das zeigt, dass selbst abgestimmte Maßnahmen auf regionale Interessen treffen können, die der Kreml zu nutzen versucht.

In der weiteren Perspektive ist die Kernfrage, ob die Partner die nächsten Schritte (Beschränkungen für die Schattenflotte, die verbundenen Banken und Logistikketten) synchronisieren können, um dem Kreml keine Möglichkeiten zur Umgehung der Sanktionen zu lassen. Analysten führender westlicher Medien weisen darauf hin, dass „Schlupflöcher“ in der maritimen Logistik und in der Finanzierung geschlossen werden müssen.

Fazit

Das Paket Großbritanniens ist nicht die einzige Antwort des Westens, aber es ist ein klares Signal: Der Einfluss auf die Exportkanäle Russlands und auf die Infrastruktur, die die Umgehung von Beschränkungen ermöglicht, bleibt eine Priorität. Für die Ukraine ist es wichtig, dass diese Schritte in praktische Hilfe umgesetzt werden — vom Wiederaufbau der Energieversorgung bis zur Abfangung der Finanzierungswege des Aggressors. Ob es den Partnern gelingt, systemische Schlupflöcher zu schließen, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

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