Ministerpräsident Sergij Korezkyj bestätigte das, wovon Experten bereits vor einem Jahr sprachen: Keine Luftverteidigung ist in der Lage, jeden Transformator und jede Umspannstation im Land zu schützen. Auf dem Westteil der Yalter Europäischen Strategie formulierte er dies direkt, ohne diplomatische Andeutungen.
„Alles vollständig zu schützen, ist unmöglich, das ist klar. Aber wir sind für diese Anschläge wesentlich besser gerüstet als im letzten Winter", sagte Korezkyj.
Das Schlüsselwort hier ist nicht „Schutz", sondern „Bereitschaft". Die Logik hat sich von dem Versuch, jede Rakete zu stoppen, zu der Frage verschoben, was in einem bestimmten Haus fünf Minuten nach einem Treffer passiert. Genau deshalb erscheint in der Sprache des Premierministers der Begriff „dezentralisierte Mittel zur Versorgung" – eigentlich eine Wette darauf, dass jede Region, jede Stadt und sogar ein einzelnes Krankenhaus autonom durchhalten können, während Reparaturbrigaden die Netze wiederherstellen.
Was sich im Laufe eines Jahres verändert hat
Der letzte Winter war der schwierigste seit Beginn des Vollkrieges: Frost bis -25°C überlagerte sich mit massiven Angriffen auf Energieinfrastruktur. Im Herbst 2025 kehrten Stromausfälle nach einer Sommerpause zurück – Russland synchronisierte Beschuss erneut mit Temperaturabfällen. Dies ist kein Zufall, sondern eine sich wiederholende Taktik, und genau daraus wurden laut Korezkyj Lehren gezogen.
Die Vorbereitungszahlen zum 1. August sehen folgendermaßen aus:
- Fast 60% der Wohnhäuser sind auf den Winter vorbereitet;
- Über 62% der Objekte der sozialen Sphäre;
- Mehr als 60% der Heizanlagen.
Jedes zweite Haus und jede dritte Heizanlage sind Anfang August noch nicht bereit. Dies ist kein Grund zur Panik, sondern ein Kontext: Die Vorbereitung läuft parallel zu den Beschüssen, nicht davor.
Der Preis der Widerstandsfähigkeit
Resilienzpläne für alle Regionen außer Kiew billigte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat bereits am 3. März; die Hauptstadt musste durch eine separate Abstimmung des Kiewer Stadtrates „in den Prozess eingebunden" werden. Die damalige Premierministerin Julija Swyrydenko nannte die Kosten dieser Pläne für das ganze Land – etwa 278 Milliarden Hrywnja. Dies ist eine Summe, vergleichbar mit dem jährlichen Rüstungsbudget eines mittleren europäischen Landes, und sie wird nicht für Panzer, sondern für Generatoren, autonome Heizanlagen und Notfall-Wasserquellen ausgegeben.
Die praktische Frage für jeden Ukrainer diesen Winter ist nicht „ob es Strom geben wird", sondern „wie lange es dauert, meine Umspannstation wiederherzustellen" – und genau auf die Verkürzung dieser Zeit, nicht auf absoluten Schutz, konzentriert sich jetzt die staatliche Strategie.