Jeder zehnte Kunde zahlt nicht: Irpin Wasserbehörde verklagt Schuldner, während sie selbst 20 Millionen schuldet

KP „Irpenʹvodokanal" hat Gerichtsverfahren gegen Zahlungsausfälle eingeleitet — 10% der Abonnenten haben keine einzige Zahlung geleistet. Das Unternehmen hat jedoch selbst unbeglichene Schulden gegenüber Kyjiwvodokanal.

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In Irpin entstand eine für die Kriegszeit typische kommunale Situation: Das Wasserversorgungsunternehmen, das selbst Schulden gegenüber seinem Lieferanten angehäuft hat, ist nun gezwungen, Gelder von seinen eigenen Kunden durch Gerichte einzutreiben.

10% — und keine einzige Zahlung

Das kommunale Unternehmen „Irpin-Wasserwirtschaft" kündigte eine Verschärfung der Arbeit mit Schuldnern an. Unter mehr als 76.000 Privatkonten des Unternehmens hat jeder zehnte Abonnent nie eine Zahlung für Wasser geleistet. In erster Linie sind diejenigen von Klagen betroffen, deren Schulden Zehntausende Hrywnja erreichen.

Konsequenzen für Schuldner: Zwangsvollstreckung durch Gericht, zusätzliche Gerichtskosten, Kontosperrung oder Vermögensarrest, vorübergehende Unterbrechung der Wasserversorgung.

Wasserwirtschaft klagt — und steht selbst vor Gericht

Der Kontext, den das Unternehmen nicht publik macht: Im Jahr 2024 reichte die Aktiengesellschaft „Kiew-Wasserwirtschaft" eine Klage gegen Irpin-Wasserwirtschaft in Höhe von 20,5 Millionen Hrywnja ein — Schulden für Wasser- und Abwasserdienste im Zeitraum von Februar 2022 bis März 2024. Der Stadtrat von Irpin beantragte eine Umstrukturierung der Schulden und versprach, diese in gleichen Raten bis Ende 2024 zu tilgen.

„Schulden für kommunale Dienstleistungen entstehen nicht nur bei privaten Abonnenten. Auch Budgeteinrichtungen häufen Schulden an, doch Wasserwirtschaftsunternehmen können die Wasserversorgung nicht einfach unterbrechen, da ihre Arbeit von großer sozialer Bedeutung ist".

Branchenanalysten, nach Materialien von ZNAJ.UA

Gesamtbild in der Ukraine

Die Situation in Irpin ist kein Einzelfall. Mit Ende des zweiten Quartals 2025 erreichten die kumulierten Schulden der Ukrainer für kommunale Dienstleistungen 106,6 Milliarden Hrywnja — im Vergleich zu 81,3 Milliarden am Ende 2021. Nach Angaben des Statistikamtes beliefen sich die Abrechnungen für kommunale Dienstleistungen im zweiten Quartal 2025 auf 64,3 Milliarden Hrywnja, von denen die Bevölkerung nur 51,5 Milliarden zahlte — über 20% der abgerechneten Summen bleiben unbezahlt.

Seit Anfang 2024 wurde das Moratorium für die Unterbrechung von Dienstleistungen und die Verhängung von Bußgeldern für Schulden aufgehoben, daher erhielten Kommunalunternehmen das Recht, Sanktionen gegen Zahlungsrückständige anzuwenden.

Wo die Kette reißt

Das Problem ist systemisch: Abonnenten zahlen nicht an die Wasserwirtschaft — die Wasserwirtschaft häuft Schulden gegenüber dem Großlieferanten an — der Lieferant geht vor Gericht. Der Stadtrat von Irpin bat die „Kiew-Wasserwirtschaft", die Schulden umzustrukturieren und die Klage zurückzuziehen. Wie diese Verhandlungen endeten — wurde nicht öffentlich mitgeteilt.

  • 76.000+ Privatkonten bei Irpin-Wasserwirtschaft zu Beginn 2024
  • ~7.600 Abonnenten — geschätzter Anteil derjenigen, die nie zahlten
  • 20,5 Mio. Hrywnja — eigene Schulden des Unternehmens gegenüber Kiew-Wasserwirtschaft
  • 106,6 Mrd. Hrywnja — Gesamtschuld der Ukrainer für Kommunalleistungen (Q2 2025)

Wenn Irpin-Wasserwirtschaft bis Ende 2025 seine eigenen Schulden gegenüber Kiew-Wasserwirtschaft nicht begleicht und gleichzeitig keine substanziellen Einnahmen aus der Inkassokampagne erzielt — wird sich das Unternehmen in derselben Rolle wiederfinden, in der sich jetzt seine Schuldner befinden: als Beklagter vor Gericht.

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