Kleine Freuden unter Beschuss: Was Ukrainer kaufen und welche Folgen das für den Markt hat

Metro: Likör +40 %, Kaffee +30 %, Snacks +12 % — diese Veränderungen spiegeln nicht nur emotionale Bedürfnisse wider, sondern auch die Transformation von Logistik und Geschäftsmodellen. Wir beleuchten, warum das für jeden Verbraucher und für die Wirtschaft wichtig ist.

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Das Verhalten der Käufer im Visier: Zahlen, die man kennen sollte

Nach Raketen- und Artilleriebeschuss entscheiden sich Ukrainerinnen und Ukrainer häufiger für „kleine Freuden“ und fertige Lösungen – das zeigt sich in den Kassenberichten. Über solche Veränderungen berichtete die Geschäftsführerin von Metro Ukraine, Олена Вдовиченко, bei einer Veranstaltung der European Business Association am 17. Februar. Diese Trends haben eine doppelte Bedeutung: Sie zeigen die psychologische Anpassung der Bevölkerung und unterstreichen zugleich die Herausforderungen für Handel und Logistik.

Was am häufigsten gekauft wird

Wichtige Kennzahlen von Metro: Likör — +40%, Kaffee — +30%, Snacks (salzig und süß) — +12%. Auch die Nachfrage nach Fertigprodukten und ultrafrischen Artikeln steigt: Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse — rund +20% in Hrywnja im Vergleich zum Vorjahr.

„Was wird nach den Angriffen am häufigsten gekauft? Salzige und süße Snacks steigen um 12%. Likör steigt um 40%. Kaffee, trotz gestiegener Preise, steigt um 30%. Ich würde dieses Verhalten ‚kleine Freuden‘ nennen, um den emotionalen Zustand auszugleichen.“

— Олена Вдовиченко, Geschäftsführerin von Metro Ukraine

„Bei uns wächst die Gruppe der ultrafrischen Waren – Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse. Sie steigen um 20% im Vergleich zum Vorjahr in Hrywnja. Ebenfalls wachsen Produkte der Gruppe ‚vorbereitet zum Servieren, zum Verzehr oder zur Zubereitung‘… Für professionelle Kunden ist das durch Personalmangel bedingt, für den Endverbraucher – die Zeitspanne zwischen den Wiederanschlüssen der Stromversorgung hat sich verkürzt. Die Menschen können nicht kochen und bevorzugen Produkte, die verzehrfertig sind.“

— Олена Вдовиченко, Geschäftsführerin von Metro Ukraine

Warum das geschieht — eine rationale Interpretation

Erstens psychologische Kompensation: In Zeiten der Angst suchen Menschen Kontrolle und kleine Vergnügungen, die sich schnell kaufen lassen. Zweitens treiben Veränderungen in der Haushaltsinfrastruktur – Schwankungen in der Stromversorgung und verringerte Zeit zum Kochen – zu fertigen Lösungen. Drittens erhöht der Personalmangel im HoReCa-Bereich die Nachfrage nach vorgefertigten Produkten.

Die wirtschaftliche Seite: Verluste und Anpassung

Nach Einschätzung von Metro führt die Schließung von Geschäften während Luftalarmphasen zu einem Verlust von rund 10% des Umsatzes pro Jahr. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen für 2025 ein Gesamtwachstum der Verkäufe um 18% in Hrywnja – die Hälfte dieses Wachstums lässt sich durch Inflation erklären, die andere Hälfte durch tatsächlich verkaufte Mehrmengen. Kundensegmente reagieren unterschiedlich: HoReCa wuchs um 22%, der Endverbraucher um 19%. Metro rechnet mit weiterem Wachstum – etwa +14% im Jahr 2026.

Was das für Leser und Land bedeutet

Diese Veränderungen sind nicht nur Verkaufsgrafiken. Sie zeigen, wie Konsumgewohnheiten Lieferketten, Arbeitsplätze und lokale Produzenten beeinflussen. Einerseits stützt die steigende Nachfrage Unternehmen und Arbeitsplätze; andererseits stellt sie zusätzliche Anforderungen an Logistik, Energie‑Resilienz und Versorgungskontinuität. Die Frage ist, ob es gelingt, diese temporären Konsummuster in langfristige Unterstützung für ukrainische Produzenten und stabile Lieferketten zu verwandeln.

Kurzes Fazit: Die Zahlen von Metro sind ein Spiegel der Anpassung der Gesellschaft: vom emotionalen Kaufimpuls bis zu realen Herausforderungen für die Wirtschaft. Aufgabe von Staat und Wirtschaft ist es jetzt, diese Veränderungen so zu gestalten, dass sie dem Wiederaufbau der Wirtschaft und der Stärkung des Binnenmarkts dienen.

Weltnachrichten

Politik

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