Kernaussage
In einem Interview mit Axios am 17. Februar sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj, Russland habe sich nur auf einen Tag Waffenruhe zur Durchführung von Wahlen in der Ukraine geeinigt. Kiew, so der Präsident, sei bereit, die Abstimmung durchzuführen, sofern eine langfristige Feuerpause – etwa 60 Tage – gewährleistet werde, um Sicherheit, Logistik und internationale Garantien sicherzustellen.
Was das bedeutet
Eine eintägige Waffenruhe vom Kreml nannte Selenskyj absurd — ein solcher Vorschlag lasse keine Zeit für den Transport der Stimmzettel, die Arbeit von Beobachtern und ein sicheres Wählen. Diese Zahl sei symbolisch: Sie zeuge nicht von dem Willen zu einem echten Frieden, sondern von dem Bestreben, das Verfahren zu formalisieren, ohne Garantien für seine Einhaltung.
„Russland hat sich nur auf einen Tag Waffenruhe geeinigt — das ist absurd. Das zeigt, dass Moskau nicht bereit für einen echten Frieden ist.“
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Politischer Kontext: Wahlen, Referendum und Parlament
In der Ukraine verbietet das Gesetz Wahlen während des Kriegsrechts. Selenskyj schloss eine eigene Teilnahme an möglichen neuen Präsidentschaftswahlen nicht aus — „das wird vom Volk abhängen“ — betonte aber, dass Fragen des Formats und der Sicherheit der Abstimmung in erster Linie durch Sicherheitsgarantien und internationale Beobachtung geklärt werden müssten.
„Ich denke, wenn wir in das Dokument einen Passus aufnehmen, dass wir die bestehende Kontaktlinie einhalten werden, dann, glaube ich, werden die Menschen das in einem Referendum unterstützen.“
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Gleichzeitig diskutiert die Rada die Möglichkeit eines einmaligen Gesetzes zur Durchführung von Wahlen während des Krieges — doch eine solche Regelung müsse von konkreten Garantien begleitet werden. Vor diesem Hintergrund gab es auch andere Signale in der öffentlichen Debatte: Im Dezember 2025 erklärte der ehemalige US-Präsident Donald Trump, Wahlen in der Ukraine seien sinnvoll, worauf Selenskyj antwortete, die Bereitschaft setze auch die Sicherstellung der Sicherheit mit Unterstützung der Partner voraus.
Öffentliche Meinung und Risiken
Am 15. Februar 2026 sagte der Präsident, dass nach seiner Einschätzung rund 90 % der Ukrainer gegen Wahlen während des Krieges seien. Selbst wenn sich die politischen Eliten einigen, müsse die öffentliche Legitimation ein entscheidender Faktor bleiben: Ohne sie könnten die Ergebnisse als aufgezwungen oder illegitim wahrgenommen werden.
Warum das für den Leser wichtig ist
Es geht nicht nur um Persönlichkeiten oder Termine. Es geht darum, ob die Wahlen fair und sicher sein werden und ob sie nicht zum Instrument werden, bestimmte Abmachungen zu legitimieren, die die Sicherheit der Ukraine verschlechtern. Solange der Kreml eine symbolische „Waffenruhe“ anbietet, braucht Kiew reale Garantien und die Partner klare Mechanismen zu deren Gewährleistung.
Wie geht es weiter?
Das wahrscheinlichste Szenario sind Verhandlungen über das Abstimmungsformat und zugleich Forderungen nach konkreten internationalen Garantien. Wenn Vereinbarungen nicht von Kontroll- und Sicherheitsmechanismen begleitet werden, drohen die Wahlen zu einer politischen Falle zu werden. Nun sind die Partner am Zug: Werden sie zustimmen, ihre Erklärungen zur Hilfe in klare Garantien zu verwandeln, die der Ukraine die Möglichkeit geben, ohne Gefahr für Leben und Souveränität zu wählen?