Paton-Brücke: Ministerium für regionale Entwicklung weist Kiew die Verantwortung zu – was das für die Sicherheit und den Verkehr der Hauptstadt bedeutet

Das Ministerium erinnerte an die rechtliche Verantwortung der Stadtverwaltung. Wir erklären, wer für die Grundinstandsetzung zahlen muss, welche technischen Risiken Experten bereits festgestellt haben und welche Lösungsoptionen die Reparatur beschleunigen könnten.

54
Aktie:
Міст Патона в Києві (фото - Олександр Ігнатенко / Facebook)

Kurz: Kern der strittigen Position

Ministerium für die Entwicklung von Gemeinden und Gebieten veröffentlichte seine Position: Die Brücke namens E. O. Paton ist ein Objekt kommunalen Eigentums der Stadt Kiew, daher ist für ihren technischen Zustand die örtliche Verwaltung verantwortlich. Dies geschieht vor dem Hintergrund öffentlicher Diskussionen über Korrosion und die Notwendigkeit einer umfassenden Instandsetzung einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen über den Dnepr.

Wer wofür verantwortlich ist (rechtlich und faktisch)

Nach dem Gesetz liegen Straßen, Wege und Ingenieurbauwerke innerhalb von Siedlungen in der Verantwortung der Organe der lokalen Selbstverwaltung. In der ministeriellen Erklärung:

"Die Brücke E. O. Paton über den Fluss Dnepr – ein Objekt des kommunalen Eigentums der Stadt Kiew... Daher haben der Stadtrat Kiew und sein Exekutivorgan die Befugnis und die Pflicht, ihren ordnungsgemäßen technischen Zustand sicherzustellen."

— Ministerium für die Entwicklung von Gemeinden und Gebieten

Gleichzeitig ist die praktische Seite komplizierter: In den Jahren 2023–2025 bereiteten staatliche Stellen die Unterlagen für eine neue Ausschreibung vor, doch die Finanzierung für 2025 wurde nicht sichergestellt. Das heißt, der rechtliche Status geht nicht immer mit der finanziellen Leistungsfähigkeit einher.

Was die Experten sagen

Fachliche Prüfungen bestätigten: Die Brücke wurde bereits 2018 als baufällig eingestuft; gegenbaufällige Maßnahmen wurden 2018–2019 teilweise durchgeführt, danach gab es keine systematischen Arbeiten. Auf einer technischen Beratung Anfang März bestätigten Spezialisten, dass die Brücke nur unter strengen Einschränkungen genutzt werden könne – Achslastbegrenzung auf 7 Tonnen, Gesamtgewicht auf 17 Tonnen und eine spezielle Verkehrsorganisation.

"Ich möchte die Menschen nicht erschrecken, aber die Korrosion frisst dieses Bauwerk unaufhaltsam. Die Gefahr eines teilweisen oder vollständigen Einsturzes ist durchaus real."

— Wjatscheslaw Bohdanow, erster Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine

"Die Brücke muss unverzüglich gesperrt und instand gesetzt werden, denn dort gibt es schwere Korrosionsschäden."

— Ihor Kryvtsun, Direktor des E. O. Paton-Instituts für Elektroschweißen (Interview mit LIGA.net, Juli 2024)

Politik und Logistik der Finanzierung

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, erkennt die Notwendigkeit einer Rekonstruktion an, verweist aber auf Schwierigkeiten mit den Ausschreibungsverfahren, die durch Einsprüche beim Antimonopolkomitee blockiert wurden, und nach 2022 durch die Absage der Vergaben wegen des Kriegs. Nach Angaben des Bürgermeisters bereiteten staatliche Stellen 2023–2024 die Unterlagen vor, doch 2025 teilte die Staatsagentur für Wiederaufbau mit, dass keine Finanzierung vorhanden sei, und der Prozess wurde gestoppt.

"Danach hat der Staat die Stadt faktisch aus der Verantwortung verdrängt und das Projekt übernommen."

— Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew

Folgen für die Kiewer und die Wirtschaft

Praktische Risiken: Verkehrsbeschränkungen wirken sich auf Logistik, öffentlichen Nahverkehr und Fahrzeiten für Tausende Menschen aus; langfristig auch auf die Sicherheit der Stadtbewohner. Vor dem Hintergrund des Krieges ist eine stabile Infrastruktur zudem ein Element der Resilienz der Hauptstadt.

Lösungsoptionen

  • Der Stadtrat Kiew stellt Mittel aus dem kommunalen Haushalt bereit oder zieht Kredit- bzw. außerbudgetäre Mechanismen heran (z. B. Öffentlich-private Partnerschaften, Kredite internationaler Finanzinstitute).
  • Der Staat finanziert das Projekt als strategisches Objekt auf nationaler Ebene – das erfordert jedoch eine politische Entscheidung und Ressourcen.
  • Kombination von Finanzierungsquellen: teilweise staatliche Kofinanzierung + internationale technische Hilfe + ein transparenter Vergabeprozess, der die Arbeiten freigibt.

Fazit — wie weiter?

Das Problem hat zwei Dimensionen: die rechtliche (wer verantwortlich ist) und die tatsächliche (wer zahlen kann und wann die Arbeiten beginnen). Experten und die Nationale Akademie der Wissenschaften warnen vor einer realen Gefahr für die Sicherheit, und Verzögerungen bei der Finanzierung erhöhen die Risiken für das Alltagsleben der Kiewer. Nun sind beide Seiten gefordert: Die Stadtverwaltung muss finanzielle Entscheidungen beschleunigen oder staatliche und internationale Unterstützung einwerben, der Staat muss Prioritäten bei der Wiederherstellung kritischer Infrastruktur setzen. Ob sie einen Kompromiss finden, der sowohl eine schnelle Reparatur als auch eine transparente Finanzierung garantiert — bleibt offen.

Weltnachrichten