5. März 2026: Das ungarische Antiterror-Zentrum (TEK) stoppte zwei gepanzerte Fahrzeuge der „Oschadbank" auf der Autobahn M5. Der Konvoi transportierte 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und 9 kg Gold – im Rahmen einer Standardroute zwischen der österreichischen Filiale der Raiffeisen Bank und der Ukraine. Sieben Geldtransporter wurden festgenommen. Budapest bezeichnete dies als „Sicherheitsmaßnahme" und eröffnete ein Verfahren wegen Geldwäsche.
Wenige Wochen später, als die Oppositionspartei „Tisza" von Péter Magyar bei der Parlamentswahl am 12. April die verfassungsmäßige Mehrheit errang, änderte sich der diplomatische Kontext radikal. Präsident Selenskyj erklärte, dass die Verhandlungen über die Rückgabe der Vermögenswerte bereits mit der neuen Führung stattfinden würden. Nun befinden sich das Geld und die Wertsachen in der Ukraine.
Was und wie zurückgegeben wurde
Nach Selenskyjs Aussagen hat Ungarn alle Gelder und Wertsachen der „Oschadbank" zurückgegeben – die Summe entspricht dem Beschlagnahmten: 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und 9 kg Gold. Die Geldtransporter wurden bereits früher freigelassen. Die gepanzerten Fahrzeuge der Bank wurden der ukrainischen Seite am 12. März übergeben – mit beschädigter Ausrüstung, und einige Goldbarren waren zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Jetzt, nach Aussagen des Präsidenten, „befinden sich das Geld und die Wertsachen bereits auf ukrainischem Territorium".
„Ein wichtiger Schritt in den Beziehungen zu Ungarn: heute wurden die Gelder und Wertsachen der Oschadbank zurückgegeben, die ungarische Geheimdienste im März dieses Jahres beschlagnahmt hatten".
Präsident Wolodymyr Selenskyj
Warum jetzt und wem nützt es
Die Zeitpunkte sind aussagekräftig. Die neue ungarische Regierung schloss die Angelegenheit faktisch ab, noch bevor Magyar sein Amt als Premierminister antrat – und vor jedem Gerichtsverfahren. Im April warnte Magyar öffentlich vor Eile und sagte, die Gesellschaft habe „nur eine propagandistische Geschichte" gesehen und dass es „wichtigere Fragen" als die Oschadbank gebe. Dennoch erfolgte die Rückgabe schnell.
Für Magyar ist dies eine Möglichkeit, sich von Orbáns Erbe abzugrenzen und sofort einen proeuropäischen Kurs festzulegen – ohne formale Anerkennung der Schuld des Vorgängers. Für Kiew ist es ein Präzedenzfall: Wenn das neue Ungarn Vermögenswerte ohne Gerichtsverfahren zurückgibt, ist dies ein Signal für eine qualitativ andere Dynamik in den Beziehungen nach 15 Jahren Orbánismus.
Der Kontext ist breiter. Nach Angaben der Nationalbank haben ukrainische Banken allein im Januar-Februar 2026 Bargeld im Wert von über 1,7 Milliarden Dollar importiert. Die Sicherheit von Geldtransportwegen durch die EU ist kein Bankdetail, sondern eine Frage der Liquidität der Kriegswirtschaft. Deshalb bereitete das Außenministerium sofort Klagen vor, und die Oschadbank stellte nach dem Zwischenfall die Einfuhr von Währung aus der EU ein.
- 5. März – TEK stoppt den Konvoi auf der M5, Geldtransporter werden verhaftet
- 6. März – sieben Geldtransporter kehren in die Ukraine zurück, das Geld bleibt
- 12. März – gepanzerte Fahrzeuge zurückgegeben, aber ohne Geld und Gold
- 12. April – „Tisza" von Magyar erlangt verfassungsmäßige Mehrheit, Orbán erkennt Niederlage an
- Mai 2026 – Gelder und Wertsachen werden in die Ukraine zurückgegeben
Was ungeklärt bleibt
Keine offizielle Erklärung zur Einstellung des Strafverfahrens, das von Orbáns Regime eingeleitet wurde. Keine Verantwortung für die Beschädigungen an den gepanzerten Fahrzeugen und die verschwundenen Goldbarren. Der Finanzanalyst Andrii Shevchyshyn charakterisierte die Festnahme bereits im März als politische Rache und nicht als rechtliche Verfahren – und die Rückgabe ohne Gerichtsurteil bestätigt dies im Grunde.
Wenn Magyar wirklich ein „neues Ungarn" in den Beziehungen zur Ukraine aufbaut, wird der nächste Test nicht die Rhetorik sein, sondern das Konkrete: Wird die Rechtswidrigkeit der Beschlagnahme im März offiziell anerkannt – und wird die Oschadbank eine Entschädigung für das beschädigte Eigentum und die Monate eingefrorener Vermögenswerte erhalten.