Am 21. Mai billigte das Kabinett einen neuen Verfahrensrahmen für die Bestimmung von Grenzen und Nutzungsregimen von Schutzzone für Kulturdenkmäler. Die Schlüsseländerung — ein individueller Ansatz: Künftig können Schutzzonen und Baubedingungen neben Denkmälern für jedes Objekt einzeln festgelegt werden, anstatt nach einem einheitlichen Schema.
Was sich in der Praxis ändert
Bisher waren Schutzzonen entweder gar nicht festgelegt oder bestanden aus sowjetischen Normen, die die moderne Bebauung nicht berücksichtigten. Die Verordnung ermöglicht es, die Größe der Schutzzonen so zu bestimmen, dass sie den Schutz der Denkmäler am besten fördern und gleichzeitig Rekonstruktion und Neubau ohne Schaden für das Kulturerbe ermöglichen.
Premierministerin Julia Swyrydenko verband die Entscheidung mit dem Kontext des umfassenden Krieges:
«Russland zerstört systematisch Denkmäler, Museen und Kulturinstitutionen und versucht, das historische Gedächtnis und die Verbindung zwischen den Generationen auszulöschen. Daher ist der Schutz des Kulturerbes und die Unterstützung der Kultur strategisch wichtig für die Ukraine während des Krieges».
Julia Swyrydenko, Telegram
Die offizielle Logik ist verständlich: Nach der Deokupation werden Tausende beschädigter Gebäude einer Wiederherstellung bedürfen, und strikte, universelle Schutzzonen würden dies behindern. Jetzt können individuelle Nutzungsregime für Gebiete rund um Denkmäler festgelegt werden — insbesondere in Bezug auf Höhe und Baubedingungen.
Wo das Risiko lauert
Das Problem liegt darin, dass «Flexibilität» in diesem Bereich bereits eine dokumentierte Geschichte von Missbrauch hat. Beamte der Abteilung für den Schutz des Kulturerbes entfernten Gebäude grundlos aus der Liste der Kulturgüter, schlossen die städtische Denkmälerdatenbank, stellten keine Schutzplaketten auf und führten keine Überwachung der Gebäude durch, um deren Erhaltung zu sichern.
Die Gerichtspraxis zeigt: «Bauunternehmer würden sich jetzt in einer Schlange anstellen, um den Denkmalschutzstatus gerichtlich anzufechten, wodurch wir über hundert Objekte des Kulturerbes verlieren würden», — so beschrieb Anwalt Alexander Djadyuk die Situation um Kiewer Denkmäler. Ein Präzedenzfall zugunsten der Öffentlichkeit gelang durch Gericht — aber jedes Mal ist dies ein separater Kampf.
Die neue Verordnung enthält keinen öffentlich beschriebenen Mechanismus zur Anfechtung einzelner Entscheidungen über Grenzen von Schutzzonen: wer und auf welche Weise eine Entscheidung anfechten kann, wenn eine Schutzzone zu eng für ein konkretes Entwicklungsprojekt festgelegt wird — das geht aus dem Text der Verordnung nicht hervor.
Kontext: Zhytomyr als Warnung
Der Oberste Gerichtshof hat bereits die Situation untersucht, als der Stadtrat die Grenzen und Nutzungsregime der Schutzzonen für Denkmäler ausgesetzt hat, und befand eine solche Entscheidung für rechtmäßig — weil das Verfahren eingehalten wurde. Aber in derselben Entscheidung stellte das Gericht fest, dass die Fristen für Änderungen des Generalplans nicht eingehalten wurden. Das heißt, selbst unter geltenden Normen verläuft die Grenze zwischen rechtmäßiger Regulierung und Manipulation durch Verfahrensdetails, die von außen schwer nachzuvollziehen sind.
- Positiv: ein einheitlicher Verfahrensrahmen statt sowjetischer Normen und chaotischer Entscheidungen «im manuellen Modus»
- Risiko: einzelne Entscheidungen ohne transparentes Anfechtungsverfahren schaffen Raum für Druck von Entwicklern auf lokale Kulturschutzbehörden
- Unklar: welche Rolle die Öffentlichkeit und die UNESCO bei der Genehmigung von Zonen für Objekte mit Weltstatus haben werden
Wenn das Ministerium für Kultur innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten der Verordnung kein Register der festgestellten Zonen mit öffentlichem Zugang veröffentlicht — wird die neue Verordnung kein Schutz des Erbes, sondern ein bequemerer Weg sein, es zu umgehen.