33 Arbeiter. So viele Menschen in Brno werden eine Kündigungsmitteilung erhalten – aufgrund einer Entscheidung, die sich über Jahre hinweg vorbereitet hat. Zetor Tractors – der letzte Hersteller von Traktoren in Europa, der einen vollständigen Produktionszyklus auf dem Kontinent beibehielt – verlagert seine Produktion nach Indien und möglicherweise nach China. Das Unternehmen hat die Gewerkschaften und das Arbeitsamt informiert: Die entsprechende Frist endet Ende 2026.
Keine übereilte Entscheidung, sondern das Ende eines langen Niedergangs
Zetor wurde 1946 gegründet – damals produzierte das Werk in Brno mehrere tausend Maschinen pro Jahr und exportierte sie in 130 Länder. Den Höhepunkt erreichte das Unternehmen 2014: In jenem Jahr verkaufte das Unternehmen 4.178 Einheiten von Maschinen, doch seitdem sind die Verkäufe kontinuierlich gesunken – auf 1.026 Traktoren im Jahr 2023. Das ist weniger als ein Viertel der Zahlen von vor einem Jahrzehnt.
Seit 2018 machte Zetor nur einmal Gewinn – im Jahr 2021. Im Jahr 2024 verzeichnete das Unternehmen Verluste in Höhe von Hunderten von Millionen Kronen, veröffentlichte aber keine konkreten Zahlen. Gleichzeitig setzte der Eigentümer der Marke – das Investmentunternehmen HTC Investments – seine Investitionen in Zetor fort, obwohl die Schuldenlast das Jahreseinkommen von HTC selbst überstieg.
Bereits 2024 beschloss das Management, die Produktion von Motoren und Getrieben in Brno zu schließen und diese stattdessen aus Deutschland und Italien zu beziehen. Nach diesem Schritt funktionierte das Werk praktisch nur noch als Montageanlage mit vorgefertigten Komponenten – und konnte damit nicht mehr konkurrieren.
Warum Indien und nicht Polen oder die Slowakei
«Die Produktion von kleinen und mittleren Traktoren bis 130 PS in Europa ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht sinnvoll. Wir waren der letzte Hersteller, der versuchte, diese hier zu halten – aber wegen der hohen Energiekosten, der Arbeitskosten und vor allem der Materialkosten sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig genug».
Robert Harman, CEO von Zetor Tractors
Die Wahl Indiens ist kein Zufall: Ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Zetor und VST Tillers Tractors Ltd – einem indischen Hersteller mit einem Marktanteil von über 65% bei Kultiviatoren – existiert bereits. Die Partnerschaft verbindet Zetors technologisches Know-how mit der Kenntnis des lokalen Marktes und des Vertriebsnetzwerks von VST. Darüber hinaus hat Zetor hier eine lange Tradition: Von den 1960er bis 1980er Jahren lieferte das Unternehmen Zehntausende von Traktoren nach Indien, wo sie auch nach Lizenz im HMT-Werk montiert wurden.
Das Ziel ist, etwa 5.000 Traktoren pro Jahr aus Indien über einen Zeitraum von fünf Jahren zu exportieren. Parallel dazu prüft Zetor Kooperationsmöglichkeiten in China.
Brno bleibt – aber ohne Fließband
Brno wird Firmensitz und Entwicklungszentrum bleiben. Hier wird auch eine Ersatzteilabteilung und ein Verteilungszentrum gegründet. Die Stadt behält also das intellektuelle Vermögen – verliert aber die Industrie.
Branchenanalysten weisen auf den systematischen Kontext hin. Zetors Entscheidung spiegelt die kumulativen Auswirkungen hoher Energiepreise, steigende Arbeitskosten, globalisierte Lieferketten und Wettbewerbsdruck durch asiatische Produktionszentren wider. Dies könnte eines der deutlichsten Beispiele für die Wettbewerbsfähigkeitskrise in der europäischen Landmaschinenindustrie werden.
Ein wichtiger Punkt: Der Produktionsplan für das laufende Jahr bleibt unverändert. Das Unternehmen versichert, dass es alle sich in Produktion befindlichen Maschinen fertigstellen und alle geschlossenen Verträge in den kommenden Monaten erfüllen wird.
Was kommt als Nächstes
Ein Wechsel des Herstellerstandorts ist immer eine Frage nicht nur der Logistik, sondern auch der Qualität und der Kontrolle. Der indische Partner VST hat eigene Standards und einen Markt mit ganz anderen Anforderungen als Mitteleuropa oder die USA. Wenn Zetor innerhalb von fünf Jahren nicht die geplanten 5.000 Einheiten für den Export erreicht und seine Rentabilität nicht wiederherstellt – hat der Eigentümer HTC Investments dann noch Grund, die Finanzierung einer Marke fortzusetzen, die bereits sieben von acht Jahren mit Verlust arbeitet?