Der Transit von russischem Öl durch die Pipeline „Druschba" über die Ukraine könnte bereits in den nächsten Wochen wieder aufgenommen werden – falls es der ungarischen Seite gelingt, von Moskau ein akzeptables Zahlungsschema zu erwirken. Dies teilte Ungarns Energieminister Csaba Mádyár mit und bestätigte, dass MOL-Chef Zoltán Hernádi nächste Woche einen persönlichen Besuch in Russland plant.
Das Wesen des Problems ist einfach: Die Ukraine hat seit Anfang 2025 den Transport von Lukoil-Öl durch ihr Rohrleitungssystem eingestellt, da die Zahlungen für den Transit über eine von Sanktionen betroffene russische Bank laufen. „Ukrtransnafta" kann die Zahlung physisch nicht entgegennehmen – und ist rechtlich nicht verpflichtet, wegen eines ungarischen Importeurs Sanktionen zu riskieren.
MOL, das dieses Öl in seinen Raffinerien in der Slowakei und Ungarn verarbeitet, befindet sich in der Zwickmühle: Kiew wird nicht von seinem Sanktionsumfang abweichen, Moskau beeilt sich nicht, die Geschäftsbank zu wechseln. Hernádi reist, um eine Lösung zu finden – wahrscheinlich einen alternativen Zahlungsweg oder einen dritten Vermittler.
Für die Ukraine gibt es hier eine eigene Überlegung. Tranziteinnahmen sind kein Hauptargument: Nach den Vorkriegstarifen ging es um Dutzende Millionen Dollar pro Jahr, nicht um eine kritische Haushaltsposition. Wichtiger ist etwas anderes: Jedes Schema, das es Lukoil ermöglicht, Sanktionen zu umgehen, schafft einen Präzedenzfall für Druck auf Kiew von Seiten der EU-Partner – vor allem Budapest, das ohnehin systematisch Entscheidungen über die Ukraine in der Europäischen Union blockiert.
Die Slowakei und Ungarn klassifizieren die Situation offiziell als Energiekrise und üben Druck auf die Europäische Kommission aus. Premierminister Fico bezeichnete die ukrainische Position bereits als „Energieerpressung". Brüssel bleibt vorerst neutral und erkennt keine Verstöße gegen Kiewer Verpflichtungen an – weil es sie formal nicht gibt: Die Ukraine ist nicht verpflichtet, den Transit durch von Sanktionen betroffene Strukturen zu organisieren.
Das Ergebnis von Hernádis Verhandlungen in Moskau wird bestimmen, ob es eine technische Lösung gibt, die für alle Seiten akzeptabel ist. Doch die Schlüsselfrage bleibt offen: Wird Kiew sich auf ein Schema einlassen, das es Lukoil faktisch ermöglicht, weiterhin Gewinne zu erzielen – auch wenn der Bankweg formal geändert wird?
```