Finanzminister Sergij Martschenko unterzeichnete mit Vertretern von neun Ländern – Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Italien, Niederlande, Großbritannien, USA und Südkorea – ein aktualisiertes Memorandum zur Aussetzung von Zahlungen auf Staats- und staatsgarantierte Schulden. Das Dokument verlängert das seit September 2022 geltende Moratorium und setzt es bis Ende Februar 2030 fort.
Was genau wurde unterzeichnet
Das neue Abkommen deckt Schulden ab, die ab Februar 2026 bedient werden sollten. Darüber hinaus erstreckt sich das Moratorium auf Kredite, die nach Juli 2022 und bis zum 26. November 2025 vergeben wurden – dem Datum, an dem der IWF und die ukrainische Seite eine Personalebene-Vereinbarung zu einem neuen EFF-Programm getroffen haben.
«Diese freiwillige Schuldendienstaussetzung ist Teil eines Pakets internationaler Unterstützung in Höhe von 122 Milliarden Dollar, das von Partnern der Ukraine bereitgestellt wird»
– Sergij Martschenko, Finanzminister
Die Zeiträume sind mit dem neuen vierjährigen IWF-Programm von 8,1 Milliarden Dollar abgestimmt, das der IWF-Verwaltungsrat im Februar 2026 genehmigt hat. Das Programm läuft bis 2030 und sieht ein Gesamtpaket internationaler Unterstützung in Höhe von 136,5 Milliarden Dollar vor.
Umsetzungsmechanismus: zweistufiger Ansatz
Das Kernstück des Dokuments ist nicht die Summe und nicht der Termin, sondern die Architektur. Die Kreditgeber haben sich eindeutig für einen schrittweisen Ansatz entschieden:
- Erste Stufe – Das geltende Moratorium wird für die gesamte Laufzeit des IWF-Programms verlängert. Keine Zahlungen, die Schulden sammeln sich an.
- Zweite Stufe – Eine «endgültige Regelung» der Schulden wird aufgeschoben, bis das verschwindet, was die Kreditgeber offiziell als exceptionally high uncertainty – «außergewöhnliche Unsicherheit» – nämlich Dauer und Folgen des Krieges bezeichnet haben.
Mit anderen Worten: Das unterzeichnete Dokument fixiert weder Schuldenerlasse noch einen Rückzahlungsplan – es fixiert eine Pause mit offenem Ende in Bezug auf die endgültigen Bedingungen.
Was wird im Gegenzug verlangt
Die Gruppe der Kreditgeber erklärte in ihrer vom französischen Finanzministerium veröffentlichten Erklärung direkt die Bedingungen für die Fortsetzung der Unterstützung. Die Ukraine muss:
- ihre eigenen Haushaltseinnahmen erhöhen und die Abhängigkeit von externen Transfers verringern;
- Strukturreformen vorantreiben – Rechtsstaatlichkeit, Antikorruptionsmaßnahmen, Bekämpfung der Schattenwirtschaft;
- die Bedingungen des IWF-Programms erfüllen, insbesondere die Haushaltskonsolidierung.
Separat forderten die Kreditgeber andere offizielle bilaterale und kommerzielle Kreditgeber auf, «so schnell wie möglich eine Vereinbarung mit der Ukraine zu nicht weniger günstigen Bedingungen» zu erreichen – ein Hinweis auf China und private Inhaber von Eurobonds, mit denen separate Verhandlungen laufen.
Kontext: Schulden wachsen, IWF warnt
Nach Angaben des Finanzministeriums überstieg die Gesamtauslandsverschuldung der Ukraine 136 Milliarden Dollar. Der IWF prognostizierte, dass ohne entsprechende Maßnahmen das Verhältnis der Staatsschuld zum BIP 2027 137 Prozent erreichen könnte – bei einer Nachhaltigkeitsgrenze von etwa 68 Prozent des BIP. Das Moratorium ermöglicht es, offizielle bilaterale Schulden nicht zu bedienen und diese Mittel für Verteidigung und soziale Ausgaben zu verwenden.
Parallel dazu führte die Ukraine 2024–2025 eine Umstrukturierung von Eurobonds in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar durch und vereinbarte mit der China-Exim-Bank eine Kreditaufschiebung in Höhe von 850 Millionen Dollar bis 2034–2040. Nicht umstrukturiert bleiben Eurobonds von «Ukrenergo» in Höhe von 825 Millionen Dollar und ein Geschäftsdarlehen von Cargill in Höhe von 0,7 Milliarden Dollar.
Sollte das neue IWF-Programm vollständig umgesetzt werden und sollte bis Februar 2030 ausreichende Gewissheit über das Ende des Krieges entstehen – müssen die Kreditgeber bereits unter neuen, friedlichen Parametern Verhandlungen über eine endgültige Schuldenregelung aufnehmen. Aber wenn die «außergewöhnliche Unsicherheit» bestehen bleibt – werden die Bedingungen der zweiten Stufe erneut neu geschrieben.