Schlag gegen die Ölleitung nach Waffenstillstand: Jemand zerstört genau die Route, die die Welt vor der Straße von Hormuz rettet

Eine Drohne griff die Pumpstation der saudischen Ölpipeline "Ost-West" an – der einzigen ernsthaften Alternative zur Straße von Hormus – wenige Stunden nach der Ankündigung eines Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran. Zufall oder Botschaft?

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Фото: EPA / ALI HAIDER

Als im Mai 2025 die Straße von Hormuz faktisch für die kommerzielle Schifffahrt geschlossen wurde, spielte Saudi-Arabien eine Karte aus, die es seit den 1980er Jahren in der Hand hielt: die Ölleitung „Ost-West", bekannt als Petroline. 1.200 Kilometer Rohre durch die Wüste – von den Ölfeldern des Persischen Golfs zum Hafen Yanbu am Ufer des Roten Meeres. Genau diese Infrastruktur wurde am Mittwoch von einer Drohne angegriffen.

Was genau wurde angegriffen und warum ist das wichtig

Petroline ist nicht eine Ersatzarterie, sondern das Hauptnotventil. Das Königreich hat die Durchleitung durch die Pipeline auf volle Kapazität gesteigert: etwa 5 Millionen Barrel pro Tag – ungefähr 70% der Vorkriegsexportmengen. Nach Angaben von Energy News Beat hat Aramco große Mengen Arab Light und Extra Light von den Feldern Abqaiq durch 1.200 Kilometer Wüste nach Yanbu umgeleitet, und CEO Amin Nasser bestätigte, dass die Pipeline in den „kommenden Tagen" die mechanische Grenze erreichen wird.

Nach Angaben der Financial Times ereignete sich der Anschlag auf die Pumpstation etwa um 13:00 Uhr Ortszeit am Mittwoch. Das Ausmaß der Schäden wird derzeit bewertet. Gleichzeitig bestätigten ein Schifffahrtsagent und ein Händler, dass die Verladung im Hafen Yanbu am Mittwoch ohne Unterbrechung ablief.

Die Geometrie der Verwundbarkeit

Die Pipeline löst das „saudi-arabische Problem" – aber nur dieses. Die maximale Ausweichkapazität Saudi-Arabiens – etwa 5 Millionen Barrel pro Tag – kompensiert ungefähr 25% des gesamten Vorkiegsflusses durch die Straße. Die restlichen 75%, einschließlich irakischer, kuwaitischer und emiratischer Mengen, haben keine alternative Route.

Aber auch diese 5 Millionen Barrel haben eine Achillesferse: Das Öl, das in Yanbu ankommt, muss das Rote Meer durchqueren. Und das Rote Meer ist das Operationsgebiet der Huthi.

„Wir befinden uns in vollster Kampfbereitschaft mit allen Optionen. Details zur Festlegung der H-Stunde bleiben der Führung vorbehalten"

– Vertreter der Huthi gegenüber Reuters nach Ankündigung eines US-Iran-Waffenstillstands

Die wahrscheinliche Rolle der Huthi ist zweifach und die Einsätze sind extrem hoch: Eine Wiederaufnahme von Angriffen auf die Schifffahrt durch die Straße von Bab el-Mandab würde direkt die gleiche Ausweichroute bedrohen, auf die sich Saudi-Arabien jetzt verlässt.

Der Zeitpunkt des Anschlags ist kein Zufall

Der Anschlag ereignete sich wenige Stunden nach der Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran. Die Anschläge trafen auch die Küste des Roten Meeres: Eine Drohne traf die Raffineire SAMREF in Yanbu. Wer hinter dem Anschlag auf Petroline steckt, ist offiziell nicht festgestellt. Aber die Huthi hatten diese Pumpstationen bereits 2019 angegriffen: Damals führten die Anschläge zu einer vorübergehenden Schließung der Pipeline, die speziell für die Umgehung von Hormuz gebaut wurde.

Die Idee, während eines Waffenstillstands anzugreifen, ist keine neue Taktik. Es ist eine Möglichkeit, eine Position zu sichern, ohne offiziell zu eskalieren: Infrastruktur zu beschädigen, während Diplomaten vor dem Hintergrund von Händedrücken fotografiert werden.

Was kommt als Nächstes

Falls die Beschädigungen der Pumpstation minimal sind, werden die Märkte das verschmerzen. Aber wenn eine Serie von Angriffen auf Petroline andauert und die Huthi gleichzeitig Bab el-Mandab blockieren, könnte die Welt mit einem Szenario konfrontiert werden, in dem beide Ausgänge aus dem Persischen Golf gleichzeitig geschlossen sind – und es keine alternative Route für 15 Millionen Barrel pro Tag gibt.

Die eigentliche Frage ist nicht, wer am Mittwoch den Anschlag verübt hat. Sondern ob der zweiwöchige Waffenstillstand dem Druck derjenigen standhalten wird, die daran interessiert sind, dass Petroline nie eine zuverlässige Alternative zu Hormuz wird.

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