Schüler aus Irpin werden Jura in einer Stadt studieren, die gerade eine Besatzung erlebt hat – und wo juristische Kenntnisse zur Überlebensfrage wurden

Irpiner Gymnasiasten erhalten Zugang zu einem Kurs von praktizierenden Juristen – nicht als Berufsorientierung, sondern als praktisches Werkzeug. Bemerkenswert ist, dass gerade Irpin, wo sich nach 2022 Tausende von Familien mit Vermögens-, Erbschafts- und Entschädigungsangelegenheiten konfrontiert sahen, zur Plattform für dieses Experiment wurde.

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Rechtstheorie — in einer Stadt, in der das Recht auf die Probe gestellt wurde

Irpin ist kein neutraler Kontext für den Start einer Juristenausbildung. Nach der Besetzung und Befreiung 2022 wurde die Stadt zu einem der Zentren massiver Eigentumsstreitigkeiten, Schadensersatzforderungen für zerstörte Wohnungen und Erbschaftsfällen von Gefallenen. Genau hier haben die Bildungsverwaltung des Irpiner Stadtrats, die Staatliche Steueruniversität und die Anwaltskanzlei „Jurij Denysenko" einen Kurs „Rechtliche Wahl" für Schüler der Oberstufe gestartet.

Der erste praktische Schritt — eine Orientierungsführung von Schülern des Irpiner Gymnasiums für innovative Technologien durch das Lehrs- und Forschungsinstitut für Rechtswissenschaften der DSU. Die Schüler lernten das akademische Umfeld von innen kennen und erfuhren von realen Einstiegswegen in den Juristenberuf.

Was hinter dem Memorandum steckt

Die trilaterale Vereinbarung ist keine Absichtserklärung. Gemäß dem unterzeichneten Dokument sieht die Partnerschaft die Verbindung der universitären Grundlagen mit der Praxis der Anwaltskanzlei vor: gemeinsame Seminare, Trainings und Workshops. Der Kurs umfasst Zivil- und Verfahrensrecht — also nicht nur „was im Gesetz steht", sondern auch „wie das vor Gericht funktioniert".

„Für uns ist es wichtig, dass die Schüler nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern auch verstehen, wie es in der Praxis angewendet wird".

— aus einem Kommentar der Projektorganisatoren

Das Programm ist auch für Pädagogen konzipiert — die Wette liegt nicht nur auf eine Schülergeneration, sondern auf eine Veränderung der Art, wie Recht in Schulen insgesamt unterrichtet wird.

Warum das Modell „Universität + Praktiker" in ukrainischen Schulen selten ist

Die standardmäßige Rechtswissenschaftsausbildung in ukrainischen Schulen ist überwiegend ein Lehrbuchkurs ohne praktischen Bezug. Die Einbeziehung einer Anwaltskanzlei als dritte Partei (neben der Universität und der Stadtverwaltung) ist ein Versuch, die Lücke zwischen „ich kenne die Norm" und „ich kann mein Recht verteidigen" zu schließen. Solche trilateralen Partnerschaften auf Schulebene gibt es in der Ukraine nur vereinzelt.

  • Materielles Recht — was einer Person gehört und worauf sie einen Anspruch hat
  • Verfahrensrecht — wie diese Rechte durch Gericht oder Verhandlungen durchgesetzt werden
  • Praxis von Juristen — Fälle und nicht nur Gesetzesstellen

Für eine Stadt, in der viele Einwohner immer noch Fälle für Entschädigungen für zerstörtes Eigentum führen, ist rechtliche Kompetenz keine abstrakte Fähigkeit.

Offene Frage

Wenn der Kurs im Laufe eines Jahres messbare Ergebnisse zeigt — zum Beispiel einen Anteil von Absolventen, die sich für juristische Spezialfachrichtungen anmelden oder sich unabhängig in grundlegenden Rechtssituationen zurechtfinden können — kann das Modell auf andere befreite Gemeinden mit ähnlicher rechtlicher Belastung der Bevölkerung übertragen werden. Falls nicht, bleibt die Frage: Reicht ein Memorandum ohne festgelegte Erfolgskriterien aus, um es als systemisches Projekt und nicht nur als einmalige Initiative zu bezeichnen?

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