Der Amerikanisch-Ukrainische Investitionsfonds für Wiederaufbau (AUIF) hat bereits 22 Projekte aus 59 eingereichten Anträgen ausgewählt und bereitet sich darauf vor, die ersten drei Investitionsverträge dieses Jahres zu unterzeichnen. Allerdings sind die Basisdokumente, die die Bedingungen für die Teilnahme von Unternehmen an diesem Prozess festlegen, der Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Was genau ist verschlossen
Die Agentur zur Unterstützung von Öffentlich-Privaten Partnerschaften (PPP-Agentur) hat die Vereinbarungen über geschäftliche Partnerschaften im Rahmen des AUIF als Dienstinformationen mit der Kennzeichnung „DSK" klassifiziert. Diese Vereinbarungen bestimmen, unter welchen Bedingungen privatwirtschaftliche Unternehmen Zugang zu Fondsprojekten in den Bereichen kritische Mineralien, Energiewirtschaft, Verkehr und IKT erhalten.
Die Europäische Geschäftsvereinigung (EBA) hat Briefe an Wirtschaftsminister Oleksij Sobolew und die Direktorin der PPP-Agentur Nico Gachechladse gesendet und fordert die Veröffentlichung von Kopien dieser Dokumente.
«Diese Vereinbarungen bestimmen die künftigen Bedingungen für geschäftliche Aktivitäten in der Ukraine»
— Position der EBA in ihrer Stellungnahme an das Wirtschaftsministerium und die PPP-Agentur
Juridisches Argument der Vereinigung
Die EBA beruft sich auf das Gesetz über den Zugang zu öffentlichen Informationen: Es verpflichtet zur Bereitstellung des öffentlichen Teils von Dokumenten, auch wenn einzelne Elemente Beschränkungen unterliegen. Die Kennzeichnung „DSK" darf nur auf klar im Gesetz definierten Grundlagen angewandt werden – und die Vereinigung stellt in Frage, ob solche Grundlagen in diesem Fall vorliegen.
Mit anderen Worten: Selbst wenn ein Teil des Vertrags wirklich sensibel ist, berechtigt dies nicht dazu, das gesamte Dokument zu verbergen.
Kontext: Der Fonds arbeitet bereits, die Bedingungen bleiben unbekannt
Der AUIF wurde auf der Grundlage eines zwischenstaatlichen Abkommens zwischen der Ukraine und den USA gegründet, das am 30. April 2025 in Washington unterzeichnet wurde. Die Versammlung ratifizierte das Abkommen am 8. Mai, es trat am 23. Mai in Kraft. Im September 2025 nahm der Fonds seine Vollbetriebstätigkeit auf.
Der Fonds hat bereits den ersten Auswahlzyklus abgeschlossen: Von 59 eingereichten Anträgen – 37 von ukrainischen Unternehmen – wurden 22 Projekte für die weitere Bearbeitung empfohlen. Prioritätssektoren:
- kritische Mineralien (Upstream und Midstream)
- Energiewirtschaft: Stromerzeugung, Stromübertragung, Kohlenwasserstoffförderung
- Verkehr und Logistik
- IKT und modernste Technologien
Das Ziel für 2026, nach Aussage von Sobolew, ist die Unterzeichnung der ersten drei Investitionsverträge. In den ersten Jahren plant der Fonds, Investitionen in Eigenkapital und quasikapitalgedeckte Instrumente zu priorisieren.
Wo liegt das Problem
Die Verfahrensfrage entwickelt sich hier zu einer systemischen: Wenn die Vereinbarungen über geschäftliche Partnerschaften geschlossen bleiben, hat jeder Investor, der einen Antrag beim AUIF einreicht, bis zum Moment der Unterzeichnung eines konkreten Vertrags keine Vorstellung von den Standardbedingungen der Teilnahme. Dies ist nicht nur mangelnde Transparenz, sondern eine Informationsasymmetrie zugunsten derer, die bereits Zugang zu den geschlossenen Verhandlungen haben.
Weder das Wirtschaftsministerium noch die PPP-Agentur haben sich öffentlich zur Stellungnahme der EBA geäußert.
Sollte das Ministerium mit einem Verweis auf spezifische Gesetzesnormen antworten, die die DSK-Kennzeichnung rechtfertigen, wäre dies eine Überprüfung, ob die Dokumentenschließung eine rechtliche Entscheidung oder ein verwaltungsmäßiger Reflex ist. Ohne diese Antwort bleibt die Frage, wer und unter welchen Bedingungen Zugang zu ukrainischen natürlichen Ressourcen durch den AUIF erhält, genau für diejenigen offen, an die sie am meisten gerichtet ist.