Donald Trump ist erstmals seit 2017 nach Peking gereist — und erklärte sogleich, dass die Beziehungen zwischen den USA und China „besser werden als je zuvor". Xi Jinping antwortete mit dem Vorschlag, „Partner und keine Rivalen" zu sein. Die Zeremonie in der Großen Halle des Volkes fiel imposant aus: roter Teppich, pompöser Empfang und kein konkretes Abkommen zum Auftakt.
Was hinter den warmen Worten steckt
Der Gipfel fand vor dem Hintergrund von vier ungelösten Konflikten statt: chinesische Beschränkungen bei der Ausfuhr von Seltenerdelemetallen, die die amerikanische Luft- und Raumfahrt sowie die Autoindustrie lähmen, blockierte Chiplieferungen, die Frage Taiwans und der Iran-Krieg. Laut Analysten von CFR und Chatham House ist das wahrscheinlichste Ergebnis ein begrenzter Satz von „einstudierten" Abkommen: Fortsetzung des Handelswaffenstillstands, den Trump und Xi bereits auf dem APEC-Gipfel in Busan im Oktober 2025 abgeschlossen haben, symbolische Käufe von amerikanischer Soja und Boeing-Flugzeugen.
„Die Erwartungen sind niedrig, und es wird wahrscheinlich keine großen Abkommen geben — aber die Zeremonie selbst unterstreicht, wie entscheidend diese Beziehungen für die ganze Welt sind".
Scott Kennedy, CSIS
Taiwan: Eine Frage, die nicht vom Tisch ist
Xi Jinping nannte Taiwan öffentlich die „wichtigste Frage" für die bilateralen Beziehungen und warnte, dass dies die Beziehungen an einen „gefährlichen Ort" treiben würde, wenn sie nicht ordnungsgemäß gelöst werde. Dies ist nicht neue Rhetorik — doch sie fiel zu einem Zeitpunkt, als Trump immer noch ein Rüstungspaket für Taiwan in Höhe von 14 Milliarden Dollar nicht umgesetzt hat, das bereits im Dezember 2025 genehmigt wurde.
Nach Angaben von CNN sagte Trump Journalisten vor seinem Abflug zum Rüstungsverkauf: „Präsident Xi möchte, dass wir das nicht tun. Und ich werde dieses Gespräch führen". Taiwans Außenminister Lin Chia-lung versicherte öffentlich, dem Westen zu vertrauen, doch sein Stellvertreter war in einem Gespräch mit Bloomberg deutlicher — es gibt Sorgen.
Geschäftsdelegation als Prioritätssignal
Mit Trump nach Peking reisten Elon Musk, Apple-Chef Tim Cook, BlackRock-Chef Larry Fink und Boeing-Chef Kelly Ortberg — über ein Dutzend Top-Manager. Dies ist keine Begleitung, sondern ein Signal: Der reale Verhandlungswert für Trump wird an Abkommen gemessen, die er amerikanischen Wählern verkaufen kann. Nach Einschätzung von Al Jazeera ist für Trump die „Optik des Erfolgs" fast genauso wichtig wie der Inhalt der Vereinbarungen.
Die Thukydides-Falle und die Frage, die Xi gestellt hat
Der chinesische Führer bezog sich auf das Konzept der „Thukydides-Falle" — wenn eine aufsteigende Supermacht und eine dominierende Supermacht unweigerlich in einen Konflikt geraten. Nach Aussage von Graham Allison aus Harvard, der diesen Begriff popularisiert hat, erwartet er, dass der Handelswaffenstillstand endlich die Form eines formellen Abkommens annehmen wird. Doch dies ist ein optimistisches Szenario.
- Seltenerdelemente: China hält immer noch die Oberhand — und nach Einschätzung von CFR hat sich der Schwerpunkt der Verhandlungen von den Zöllen genau dorthin verlagert.
- Iran: Washington drängt Peking wegen des Kaufs von iranischem Öl; Chinas stille Unterstützung — oder deren Fehlen — wird sich in Wochen, nicht in Stunden nach dem Gipfel bemerkbar machen.
- KI: Es wird erwartet, dass bilaterale Arbeitsgruppen zur KI-Regulierung gegründet werden — ohne konkrete Verpflichtungen.
Wie der Analyst Santiago Reglimi anmerkt, „ist für Xi Erfolg, Stabilität zu bewahren, ohne wie jemand auszusehen, der gegenüber Washington nachgegeben hat". Trump bekam eine Zeremonie. Xi bekam Zeit.
Wenn das Rüstungspaket für Taiwan nach dem Peking-Gipfel schließlich unerfüllt bleibt, wird dies kein technischer Verzug sein, sondern ein Präzedenzfall: Handelszugeständnisse im Austausch für Schweigen zur Sicherheit der Insel.
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