Was passiert ist
Am 20. Februar hat die Europäische Kommission einer Vereinbarung zugestimmt, wonach das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die volle Kontrolle über die Rosneft Deutschland GmbH (RDG) und die RN Refining & Marketing GmbH (RN R&M) übernehmen wird, heißt es in einer offiziellen Mitteilung auf der Website der Kommission. RDG ist ein Großhändler für Kraftstoffe und Petrochemie, der Anteile an drei deutschen Raffinerien hält: PCK Schwedt, MiRo (Karlsruhe) und Bayernoil (Vohburg). RN R&M ist für Service- und Verwaltungsfunktionen im Zusammenhang mit der Tätigkeit von RDG zuständig.
Warum das wichtig ist
Die Entscheidung verringert die Präsenz von Strukturen, die mit dem Kreml verbunden sind, in der größten Volkswirtschaft Europas – und das ist kein rein symbolischer Schritt. Die Wiederherstellung der Kontrolle über Lieferketten unter staatlicher Verwaltung reduziert die Risiken, die mit einem Stopp der Zusammenarbeit von Versicherern, Banken und Dienstleistern verbunden sind, die bereits 2022 die Arbeit mit Rosneft eingestellt hatten. Für die Ukraine ist das in mehreren Dimensionen bedeutsam: Es erhöht den Sanktionsdruck, erschwert die Umgehung von Beschränkungen und verringert die Einflussinstrumente des Kremls auf den europäischen Energiemarkt.
"Der Grund für die Einsetzung einer externen Verwaltung ist, dass die Fortführung der wirtschaftlichen Tätigkeit der genannten Raffinerien aufgrund ihrer Eigentümerstruktur gefährdet ist. Wichtige Anbieter kritischer Dienstleistungen – Versicherer, IT-Unternehmen und Banken sowie Kunden – wollten nicht mehr mit Rosneft zusammenarbeiten – weder mit den Raffinerien, an denen Rosneft beteiligt ist, noch mit den deutschen 'Tochtergesellschaften' von Rosneft, RDG und RN R&M."
— Deutsche Regierung / BMWi (offizielle Erklärung)
Kontext und Risiken
Die Debatten über eine Verstaatlichung laufen seit Oktober 2025, nachdem die USA Sanktionen gegen Rosneft verhängt hatten. Das Unternehmen hatte eine Lizenz, die es bis April 2026 von einigen Sanktionen ausnahm – das erklärt den zeitlichen Rahmen der politischen Entscheidungen. Zuvor zögerte Deutschland wegen der Risiken finanzieller Forderungen seitens Russland; solche juristischen Auseinandersetzungen und Fragen zu Entschädigungen bleiben eine potenzielle Hürde.
Praktisch von Bedeutung bleibt die Frage der Kontinuität der Ölversorgung und des Betriebs der Raffinerien. Obwohl Rosneft Deutschland derzeit Öl aus Kasachstan bezieht, verlaufen Teile der Routen über die russische Pipeline "Druzhba". Daher wird die technische und logistische Koordination beim Übergang in staatliche Verwaltung kritisch sein.
Was das für die Ukraine bedeutet
Für die Ukraine ist zentral, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten Russland schrittweise die Möglichkeiten nehmen, wirtschaftliche Lieferketten als Druckmittel zu nutzen. Die Verringerung der Präsenz von Rosneft in europäischen Lieferketten reduziert die politischen Hebel des Kremls und seine Deviseneinnahmen. Energieanalysten betonen, dass solche Schritte von einer Diversifizierung der Lieferwege und einer Stärkung der Energiesicherheit der Ukraine und ihrer Partner begleitet werden sollten.
Fazit
Die Entscheidung der Europäischen Kommission ist kein Ende des Prozesses, sondern der Übergang in eine neue Phase: von der vorübergehenden Verwaltung zur faktischen staatlichen Kontrolle und zur weiteren Integration der Vermögenswerte in europäische Sicherheitsmechanismen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Deutschland und seine Partner die juristischen Risiken minimieren, die Betriebsabläufe der Raffinerien erhalten und die politische Erklärung in ein praktisches Instrument ummünzen können, das die Energiesicherheit der EU stärkt und den Spielraum für russischen Einfluss verkleinert — und das wirkt sich unmittelbar auf die Sicherheit der Ukraine aus.