4,6 Milliarden Pakete pro Jahr: EU schafft zollfreie Grenze für billige Online-Importe ab

Ab dem 1. Juli 2026 wird jedes Paket von Temu, Shein oder AliExpress im Wert von bis zu 150 Euro mit einem pauschalen Zoll von 3 Euro belegt – eine vorübergehende Maßnahme, während die EU ein vollständiges digitales Zollsystem aufbaut. Bis 2028 wird die Vergünstigung vollständig entfallen.

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Täglich erreichen die 12 Millionen kleine Pakete die EU — hauptsächlich aus China. Im Jahr 2024 waren es 4,6 Milliarden, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Fast alle passierten bislang den Zoll ohne Gebühren dank der sogenannten de minimis-Regel: Waren bis 150 Euro — zollfrei. Am 12. Dezember 2025 stimmten die EU-Finanzminister für die Abschaffung dieser Regel.

Was genau ändert sich und wann

Ab dem 1. Juli 2026 erhält jedes Paket mit einer Ware im Wert von weniger als 150 Euro, das von einem Verkäufer außerhalb des Blocks in die EU kommt, eine Pauschalgebühr von €3 — für jede Zolltarifnummer (HS-Code). Wenn in einer Schachtel ein T-Shirt, Kopfhörer und eine Handyhülle liegen — drei verschiedene Codes, drei Gebühren. Wie der EU-Rat mitteilt, wird der Zoll auf 93% des gesamten E-Commerce-Verkehrs über das IOSS-System ausgedehnt.

Dies ist eine vorübergehende Maßnahme: Gemäß der Vereinbarung vom November 2025 plant die EU bis 2028, die Vergünstigung vollständig zu beseitigen und über eine neue digitale Zollplattform den Zoll „ab dem ersten Euro" einzuführen. Zusätzlich wird, wie der EU-Rat präzisiert, eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr für Pakete in Höhe von €2 erörtert — diese wird derzeit im Rahmen einer breiteren Zollreform verhandelt.

Warum gerade jetzt

Der EU-Zoll schaffte es physisch nicht, den Strom zu überprüfen: Nach Angaben von Courthouse News wurden nur 0,0082% der Waren inspiziert — etwa 82 Einheiten pro Million. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission sind bis zu 65% der kleinen Pakete bewusst unterbewertet, um Gebühren zu vermeiden. Plattformen teilen Bestellungen auch in einzelne Sendungen auf, damit jede in das Limit passt.

„Diese vorübergehende Maßnahme reagiert auf die Tatsache: Pakete betreten die EU derzeit ohne Zoll, schaffen unfairen Wettbewerb für EU-Verkäufer, Risiken für die Gesundheit der Verbraucher, massive Betrügereien und Umweltprobleme."

EU-Rat, Pressemitteilung vom 12. Dezember 2025

Parallel zum Zollaspekt stellt sich die Sicherheitsfrage: Nach Angaben des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses erreichen täglich Millionen von Waren, die nicht den EU-Sicherheitsstandards, Arbeits- und Umweltgesetzen des Blocks entsprechen, die EU — Kosmetik, Spielzeug, Elektronik.

Was bedeutet das für den Käufer

Nach Berechnungen von Euronews könnte eine typische Shein-Bestellung im Wert von €20 nach Hinzufügen der neuen Gebühr und MwSt. über €30 kosten. Ein Warenkorb mit fünf billigen Artikeln verschiedener Kategorien könnte allein durch neue Zollgebühren €15 sammeln. Marktanalytiker gehen von zwei Szenarien aus: Ein Teil der Käufer kehrt zu europäischen Geschäften zurück, andere beginnen seltener, aber größer zu bestellen.

Allerdings bewertet Ed Sander, Experte für die chinesische E-Commerce-Plattform Tech Buzz China, den Effekt auf die Plattformen selbst skeptisch: „Ich sehe alle glücklichen Kommentare online, aber das wird Temu nicht verlangsamen", zitiert ihn Marketplace Universe. Nach seinen Worten passt Temu sein Geschäftsmodell bereits an, unter anderem durch Lagerhäuser innerhalb der EU, die es ermöglichen, die neue Gebühr für einen Teil der Waren zu umgehen.

Kontext: Die USA haben das bereits getan

Die EU handelt nicht allein. Wie DSCP Smart Fulfillment mitteilt, hoben die USA ihre eigene de minimis-Schwelle von $800 bereits im August 2025 auf. Die zwei größten Verbrauchermärkte der Welt schlossen die Lücke innerhalb weniger als eines Jahres. Für chinesische Plattformen, die ihre Logistik um direkte kleine Sendungen herum aufgebaut haben, ist dies eine strukturelle Veränderung, nicht eine kosmetische.

Die eigentliche Frage wird sich nach dem 1. Juli 2026 öffnen: Wenn Temu und Shein massiv Warenbestände in Lagerhäuser innerhalb der EU verlagern — umgehen sie den Zoll und behalten den Preisvorteil. Dann werden sich die €3 als kein Schutz für europäische Einzelhandelshändler herausstellen, sondern nur als neue Einnahmequelle für Plattformen, die schneller angepasst werden.

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