110 Millionen Euro aus Norwegen: Meeresdrohnen sollen den Getreidekorridor schützen – und werden in der Ukraine hergestellt

Oslo stellt nicht einfach Mittel für Waffen bereit – sondern für die gemeinsame Produktion, die bis Ende 2025 insgesamt 200 unbemannte Schnellboote liefern soll. Dahinter steckt eine einfachere Logik als Geopolitik: Ohne eine Flottille von Drohnen bleibt der Schwarzmeer-Korridor, durch den bereits 200 Millionen Tonnen Fracht transportiert wurden, verwundbar.

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Ілюстративне фото: пресслужба СБУ

Norwegen wird 1,2 Milliarden norwegische Kronen – etwa 110 Millionen Euro – für die Entwicklung und den Kauf von Marindrohnen für die Ukraine bereitstellen. Dies teilte die Pressestelle der norwegischen Regierung nach einem Treffen von Premierminister Jonas Gahr Støre mit Präsident Selenskyj auf dem NB-8-Gipfel in Tallinn mit.

Formal handelt es sich um eine weitere Tranche im Rahmen des Nansen Support Programme – ein achtjähriges Hilfspaket für die Ukraine in Höhe von 155 Milliarden Kronen bis 2030, das von allen Parteien des norwegischen Stortings gebilligt wurde. Doch in den Details zeigt sich ein grundlegender Wandel der Logik.

Nicht Lieferung, sondern Produktion

Das Programm sieht die Lieferung von Booten sowohl durch die norwegische als auch durch die ukrainische Industrie vor. Parallel dazu wurde im April 2025 in Kiew eine separate Vereinbarung „Build with Ukraine" unterzeichnet: Demnach wird eine Pilotlinie zur Produktion ukrainischer Drohnen bis 2026 in Norwegen in Betrieb gehen. Die Vereinbarung wurde von Vizeverteidigungsminister der Ukraine Sergij Bojow und dem norwegischen Botschafter Lars Ragnar Aalerud Hansen unterzeichnet.

Das Ziel ist konkret: Bis Ende 2025 sollen 200 unbemannte Boote geliefert werden. Die Drohnen werden verschiedene Konfigurationen haben – für Aufklärung, Angriffsoperationen und Abwehr von Angriffen – und können Sensoren, Waffen oder Luftdrohnen tragen.

„Die norwegische Schifffahrtsindustrie gehört zu den besten der Welt. Ich freue mich, dass diese Erfahrung zur Unterstützung des Kampfes der Ukraine für die Freiheit genutzt werden kann."

Jonas Gahr Støre, Premierminister von Norwegen

Was hinter den Zahlen steckt

Unbemannte Boote haben bereits das Gleichgewicht in der Schwarzmeerregion verändert. Nach Aussage des Rüstungsforschers Roy Gardiner (ehemaliger Offizier der kanadischen Streitkräfte) haben asymmetrische Siege ukrainischer Drohnen die russische Schwarzmeerflotte gezwungen, sich in den östlichen Teil des Meeres zurückzuziehen – und genau dies hat den Getreidekorridor entlang der Küste wiederhergestellt. Seit September 2023 sind auf dieser Route bereits über 200 Millionen Tonnen Fracht transportiert worden, davon 118 Millionen Tonnen Getreide, das in 35 Länder geliefert wurde.

Ukrainische Marindrohnen demonstrieren auch eine beispiellose Kostenasymmetrie: Im Mai 2025 schoss ein Boot mit einer AIM-9-Sidewinder-Rakete (~300.000 Dollar) zwei russische Kampfflugzeuge im Wert von je 50 Millionen Dollar ab. Nach Berechnungen aus offenen Quellen haben ukrainische unbemannte Systeme russische Schiffe mindestens 21 Mal getroffen, 10 Schiffe wurden bestätigt zerstört.

Norwegens Einsatz

Für Oslo ist dies nicht nur eine Sicherheits-, sondern auch eine Industrieinvestition. Norwegen hat 2025 bereits etwa 330 Millionen Dollar für den Kauf von Technologie direkt von ukrainischen Herstellern und 57 Millionen Dollar für Drohnen bereitgestellt. Das Programm Gardar – ein neuer norwegischer Verteidigungsfonds in Höhe von 80 Millionen Euro – konzentriert sich auch auf Technologien mit doppeltem Verwendungszweck, wobei unbemannte Marinerobotertechnik eine Priorität darstellt.

  • 1,2 Milliarden Kronen (≈110 Millionen Euro) – aktuelle Tranche für Marindrohnen
  • 85 Milliarden Kronen – Gesamtumfang der norwegischen Unterstützung im Rahmen von Nansen im Jahr 2025
  • 200 Boote – Ziel der Lieferungen bis Ende des Jahres
  • 2030 – Horizont des Programms, Mindestzusage – 155 Milliarden Kronen

Eine kritische Frage bleibt offen: Das Programm schafft Produktionskapazitäten, enthält aber keinen öffentlichen Mechanismus zur Überprüfung der Liefergeschwindigkeit. Wenn das Ziel von 200 Booten bis Ende 2025 erreicht wird, würde dies einen Präzedenzfall für gemeinsame Waffenproduktion zwischen NATO-Ländern und der Ukraine im echten Kriegstempo schaffen. Falls nicht – würde die Frage nach der Effizienz des Schemas „Produktion in beiden Ländern" mit neuer Kraft aufgeworfen.

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