Das Büro für Wirtschaftssicherheit und die Generalstaatsanwaltschaft gaben die Liquidation eines Konvertierungszentrums bekannt, das seit 2020 über 200 Unternehmen bedient und nach Ermittlungsangaben 18 Mrd. hrn. umgesetzt hat. Aber das Interessanteste an dem Fall ist nicht die Summe, sondern wer genau auf beiden Seiten des Systems steht.
Wie die „Dienstleistung" funktionierte
Der Mechanismus ist klassisch für den ukrainischen Schattenmarkt, aber das Ausmaß ist untypisch. Das Zentrum registrierte ein Netzwerk von Dummy-Unternehmen auf Strohmännern. Diese Strukturen schlossen mit Kunden Werkverträge ab – in der Regel für Bauarbeiten, die niemand ausführte. Der Kunde erhielt Originaldokumente, erhöhte auf dieser Grundlage seinen Steuergutschrift und verringerte seine Verpflichtungen gegenüber dem Budget für Mehrwertsteuer und Einkommensteuer.
Einfacher ausgedrückt: Das Unternehmen zahlte dem Konvertierungszentrum weniger, als es dem Staat hätte zahlen sollen – und erhielt „offiziellen" Schutz in Form von Dokumenten über nicht existierende Arbeiten. Das Konvertierungszentrum verdiente an der Differenz. Das System existierte fünf Jahre lang.
„Das Gesamtvolumen der seit 2020 konvertierten Gelder wird auf 18 Mrd. hrn. geschätzt. Der Schaden für den Staat durch nicht eingezogene Steuern betrug allein bei bestimmten festgestellten Fällen über 56 Mio. hrn."
— Büro für Wirtschaftssicherheit der Ukraine und Generalstaatsanwaltschaft
Die Diskrepanz zwischen 18 Mrd. und 56 Mio.: Was bedeutet sie?
Die Zahlen unterscheiden sich um das 320-fache. Der offiziell festgestellte Schaden – 56 Mio. hrn. – ist nur das, was die Ermittlung zum Zeitpunkt der Mitteilung der Verdächtigungen dokumentarisch nachweisen konnte. Das BES stellt direkt fest: „bei bestimmten festgestellten Fällen". Der Rest der 18 Mrd. Umlauf – dokumentierte Geldbewegungen über Konten der kontrollierten Strukturen, aber nicht die gesamte Summe entspricht automatisch dem Schaden für den Haushalt.
Dies ist ein Standardproblem bei solchen Fällen: Es ist schwieriger, den Steuerschaden bei jeder einzelnen Transaktion nachzuweisen, als die bloße Tatsache der Geldbewegung festzuhalten. Die tatsächliche Summe der nicht eingezogenen Steuern könnte deutlich höher sein – die Ermittlung läuft noch.
Klienten – auch Verdächtige
Über 200 Unternehmen, die das System nutzten, sind keine Geschädigten. Unter Artikel 212 des Strafgesetzbuches (Steuerhinterziehung) erstreckt sich die strafrechtliche Verantwortung auch auf die Auftraggeber fiktiver Dienstleistungen. Das heißt, neben den Organisatoren des Konvertierungszentrums gerät ein breiter Kreis von echtem Geschäftsleben in den Fokus der Ermittlung – von kleinen Unternehmen bis zu großen Konzernen.
Dies verwandelt den Fall von der „Liquidation einer Verbrechergruppe" in ein potenziell massives Strafverfahren. Wie viele der 200 Klienten verdächtigt werden – das teilt das BES vorerst nicht mit.
Kontext: Konvertierungszentren vermehren sich, Urteile sind Einzelfälle
Eine Woche vor dieser Ankündigung, am 27. April, berichtete Generalstaatsanwalt Ruslan Kravchenko über die Liquidation eines weiteren Konvertierungszentrums – dessen Klient sich als Unternehmen mit Rüstungsaufträgen im Wert von 2,5 Mrd. hrn. herausstellte. Nach Ermittlungsangaben wurden aus dieser Summe über ein Netzwerk von Dummy-Firmen über 576 Mio. hrn. verlagert. Sieben Verdächtige sind in Untersuchungshaft ohne Kaution.
Noch früher registrierten Strafverfolgungsbeamte ein Konvertierungszentrum in Kiew, dessen Organisator sich als ehemaliger hochrangiger Beamter der Steuerbehörden herausstellte, der sich zum Anwalt umschulen ließ. Nach Ermittlungsangaben baute er ein Netzwerk aus 14 Import-Unternehmen und etwa 80 Transiterunternehmen auf – und bot dieselben „Dienstleistungen" dem realen Sektor an.
Das heißt, die Konvertierungsdienstleistung ist zu einem Segment des Schattenmarktes mit eigener Spezialisierung, Kundenbasis und Preisgestaltung geworden. Die Nachfrage danach verschwindet nicht – trotz regelmäßiger „Aufdeckungen".
Die Schlüsselfrage, die das reale Gewicht dieses Falls bestimmen wird: Werden alle 200 Kundenunternehmen verdächtigt, oder bleibt die Ermittlung wieder bei den Organisatoren stehen – und der Fall wird mit dem nächsten „Zentrum liquidiert" geschlossen.