Bargeld nähert sich der Billion: Warum Ukrainer mehr Geld halten und was das bedeutet

Bargeld im Umlauf ist 2025 um 12,6 % gestiegen — das ist zugleich ein Zeichen der wirtschaftlichen Erholung und eine Absicherung gegen Angriffe auf die Infrastruktur. Wir beleuchten die Folgen für Haushalte und den Staat.

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Was passiert ist

Die Nationalbank verzeichnete einen starken Anstieg des im Umlauf befindlichen Bargelds im Jahr 2025 — um 12,6% (bzw. 103,9 Mrd. грн) auf 926,3 Mrd. грн. Zum Vergleich: 2024 betrug das Wachstum 7,6% (58 Mrd. грн). Diese Zahlen bedeuten, dass die Ukrainer mehr physisches Geld halten — praktisch an der Schwelle zur Billion Hrywnja.

Warum das geschah — zwei zentrale Faktoren

Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität. Steigende Löhne, Sozialleistungen und die Verbrauchernachfrage erhöhen den Bedarf an Bargeld für tägliche Transaktionen, besonders in Regionen mit begrenztem Zugang zu bargeldlosen Diensten.

Sicherheit und Absicherung. Die erhöhte Intensität von Angriffen auf die Energieversorgung und andere kritische Infrastrukturen veranlasst Haushalte, Bargeldreserven für unvorhergesehene Situationen vorzuhalten — von der Bezahlung von Dienstleistungen während Ausfällen bis zum schnellen Kauf lebensnotwendiger Güter.

„Der Anstieg des Bargelds im Jahr 2025 ist durch die Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität und die Risiken infolge vermehrter Angriffe auf die Infrastruktur bedingt.“

— Nationalbank der Ukraine

Was noch wichtig zu wissen ist

Stand 1. Januar 2026 befinden sich im Umlauf 2,6 Mrd. Banknoten im Nennwert von 916,9 Mrd. грн sowie 15,2 Mrd. Münzen (ohne Gedenk- und Anlageprägungen) im Wert von 9,3 Mrd. грн. Nach Stückzahlen führt die 500‑грн‑Banknote, obwohl nach Volumen bereits die 1000‑грн‑Banknote den ersten Platz einnimmt; unter den Münzen ist die 10‑Kopeken‑Münze am zahlreichsten, die nach und nach aus dem Umlauf genommen wird.

Folgen für Staat und Bürger

Der Anstieg des Bargeldbestands hat eine doppelte Wirkung. Einerseits ist es ein Signal von Widerstandsfähigkeit — die Menschen sind bereit zu konsumieren und Geld in Umlauf zu bringen, was die Wirtschaft stützt. Andererseits stellt es eine Herausforderung für die Politik dar: größerer Bedarf an Bargeldtransport und -druck, Risiken für die Schattenwirtschaft und erschwerte Kontrolle der Geldmenge.

Experten betonen, dass die Antwort umfassend sein muss: eine flexible Bargeldpolitik der NBU, Investitionen in sichere Inkassodienste und die Förderung zugänglicher bargeldloser Lösungen dort, wo dies bequem und verlässlich ist.

Kontext aus Europa

Ende 2025 unterstützte der Rat der EU den Start eines digitalen Euro mit der Garantie des „Rechts auf Bargeld“. Zudem wird vorgeschlagen, den Status von Bargeld zu stärken — Einzelhändler sollen die Barzahlung nicht verweigern dürfen (Ausnahmen für Online‑Verkäufe und automatisierte Verkaufsstellen). Das bestätigt: In Europa bleibt Bargeld ein wichtiges Element der finanziellen Sicherheit, selbst im Zuge der Digitalisierung.

Fazit

Der Anstieg des Bargeldvolumens in der Ukraine ist Ausdruck der gleichzeitigen Erholung der Wirtschaft und der Bereitschaft der Bürger, sich auf die Risiken der Kriegszeit vorzubereiten. Die nächste Aufgabe für den Staat besteht darin, diese Realität in eine wirkungsvolle Politik zu überführen: den Zugang zu Bargeld sicherstellen, logistische und sicherheitsbezogene Kosten minimieren und parallel eine verlässliche bargeldlose Infrastruktur ausbauen. Es geht hier nicht nur um Geld — es geht um alltägliche Sicherheit und Mobilität für Millionen Ukrainer.

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