Das Kabinett überweist Kiew zusätzliche 2 Milliarden Griwna zur Vorbereitung auf die nächste Heizperiode. Das teilte die Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko mit. Die Mittel sollen zum Schutz von Energieinfrastrukturen und zur unterbrechungsfreien Wärmeversorgung im Rahmen des sogenannten Resilienzplans der Hauptstadt eingesetzt werden.
Allerdings zeigt sich ein komplexeres Bild bei den Details. Ende Mai genehmigte der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat unter der Leitung des Präsidenten umfassende Resilienzpläne für alle Regionen und Gebietszentren. Kiew ist der einzige Ort, für den das Dokument noch nicht genehmigt wurde: Der Hauptstadt wurde zusätzliche Zeit zur Überarbeitung gewährt. Das Geld wird somit für einen Plan bereitgestellt, der noch keinen endgültigen Status hat.
«Die Verantwortung für eine qualitativ hochwertige und zeitgerechte Vorbereitung Kiews auf die Heizperiode liegt bei der Stadtverwaltung. Die Stadt muss die Arbeiten ordnungsgemäß organisieren»
— Julija Swyrydenko, Ministerpräsidentin der Ukraine
Was bereits finanziert wurde und was geplant ist
Aus den bereits bereitgestellten Mitteln wurden 966 Millionen Griwna an die Agentur für Wiederaufbau zur Anschaffung von modularen Blockkesselanlagen für Kiew geleitet. Insgesamt hat die Regierung 3 Milliarden Griwna aus dem Reservefonds des Staatshaushalts zur Installation von 216 solcher Kesselanlagen — in der Hauptstadt und in den Regionen — bereitgestellt. Weitere 2 Milliarden Griwna erhielten im Rahmen dieses Beschlusses andere Regionen.
Parallel dazu wird im Rahmen der Resilienzpläne eine verteilte Stromerzeugung eingeführt: Seit dem 1. März wurden 319 MW installiert, und die Arbeiten an weiteren 541 MW Gasgeneratoren laufen. Bis Ende des Jahres sind insgesamt 1,5 GW geplant. Backup-Stromversorgung deckt derzeit fast 70% der Wasser- und Wärmeversorgungseinrichtungen ab.
Die Gesamtkosten für die Umsetzung der Resilienzpläne im ganzen Land werden von der Regierung auf 270 Milliarden Griwna geschätzt. Der Löwenanteil soll von internationalen Partnern gedeckt werden.
Warum das Tempo wichtig ist
Der Direktor des Energieforschungszentrums Aleksandr Charchenko nannte zuvor drei Schlüsselbedingungen für einen sicheren Winter: physischer Schutz von Anlagen, Inbetriebnahme von Reservestromquellen und Zahlungsdisziplin auf dem Strommarkt. Seiner Aussage nach könnten die Wärmeversorungssysteme Angriffen besser standhalten und die Bevölkerung Kiews und anderer Städte mit Wärme versorgen, wenn diese Komponenten möglichst effektiv realisiert werden.
Charchenko warnte auch: Die Verzögerung des Skandals rund um «Ukrenergho» hat die Finanzierung und den Bau von Schutzstrukturen um mindestens ein halbes Jahr verlangsamt — und dieses Zeitdefizit wirkt sich direkt auf die Bereitschaft des Systems für Anschläge aus.
Vor diesem Hintergrund erreichten die Schulden der Marktteilnehmer gegenüber der Nationalen Energiegesellschaft «Ukrenergho» Anfang 2026 etwa 42 Milliarden Griwna — 21% mehr als im Vorjahr. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats der ASEU betonte: Ohne strikte Zahlungsdisziplin würden keine Kredite die Finanzierungslücke schließen, und das Energiesystem würde mit einer irreversiblen Netzbeeinträchtigung in den Winter gehen.
Sollte der Resilienzplan Kiews bis August von dem Sicherheitsrat genehmigt werden und alle 216 Kesselanlagen nach Plan installiert werden, würde die Hauptstadt zum ersten Mal seit drei Jahren mit einem dokumentarisch verifizierten Reservewärmesystem in den Winter gehen. Falls nicht, würden 2 Milliarden Griwna in eine Stadt fließen, die ihre Resilienz ohne abgestimmte Strategie aufbaut.