Lloyd's unter Beschuss: Warum die Versicherung eines BESS eine wichtigere Nachricht ist als der Speicher selbst

Die Oschadbank hat einen Kredit für ein 50-MW-Energiespeichersystem mit Deckung durch Lloyd's-Syndikate vergeben – ein beispielloses Ereignis in der ukrainischen Energiewirtschaft während des Krieges. Das Problem liegt nicht bei den Megawatt, sondern daran, dass internationale Versicherer Kriegsrisiken bislang vermieden haben.

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Ілюстративне фото: Arevon

Als die Oschadbank einen Kredit über 23,6 Millionen Euro für den Bau eines Energiespeichersystems mit einer Leistung von 50 MW ankündigte, lag der Schwerpunkt der Pressemitteilung auf Megawatt und Abdeckungsquoten. Die eigentliche Nachricht steckte in einem Absatz am Ende: Zum ersten Mal in der ukrainischen Energiewirtschaft wurden Lloyd's-Syndikate in ein Abkommen eingebunden.

Warum eine Versicherungsgarantie wichtiger ist als ein Bankkredit

Projektfinanzierung unter Bedingungen eines aktiven Krieges ist nicht einfach eine Zeile in der Bankbilanz. Es ist die Frage, ob jemand von außen bereit ist, Geld darauf zu setzen, dass ein Objekt den nächsten Schlag übersteht. Bis zu diesem Abkommen war die Antwort internationaler Versicherer überwiegend „nein".

Wie Interfax Ukraine berichtet, bezeichnete die Oschadbank dieses Projekt als ihre erste Erfahrung mit der Strukturierung von Energiefinanzierung unter Beteiligung internationaler Versicherungsdeckung – insbesondere unter Beteiligung von Lloyd's-Syndikaten. Dies ist keine Zeile aus einer Pressemitteilung über „Innovation" – es ist ein Eingeständnis, dass frühere Abkommen eine solche Deckung nicht hatten.

„Energiespeichersysteme sind nicht einfach ein Infrastrukturvermögen, sondern das Fundament der Energiesicherheit der Ukraine und die Grundlage des Energiesystems der Zukunft"

Maksym Pyshnyi, Direktor von LLC „Electrica Ukraine"

Was technisch hinter 50 MW steckt

Das BESS mit einer Leistung von 50 MW und einer Kapazität von 131,2 MWh funktioniert nicht als Notgenerator für Blackout-Fälle. Das Projekt wird auf Grundlage eines Langzeitvertrags mit Ukrenergo für automatische Reserveleistung zur Frequenzwiederherstellung umgesetzt – ein Ausgleichsinstrument, das in Sekunden auf Abweichungen reagiert, noch bevor der Dispatcher manuell eingreifen kann.

Nach Angriffen auf große Kraftwerke wurde diese Funktion kritisch. Nach Angaben der IEA verfügte die Ukraine vor der vollständigen Invasion über etwa 38 GW Dispatcherleistung; nach den Angriffen im Frühjahr 2024 blieben nur noch 12 GW übrig. Die Regelleistung – das heißt die Fähigkeit, Ausfälle schnell auszugleichen – schrumpfte überproportional: Große Wärmekraftblöcke sind entweder beschädigt oder mit Grundlast belegt.

Versicherungsmarkt und Kriegsrisiko: Wo liegt die Grenze derzeit

Lloyd's veröffentlicht schon lange Analysen zu BESS als vielversprechende Versicherungssparte – aber das bezog sich auf friedliche Jurisdiktionen. Versicherung von Energieinfrastruktur in einer aktiven Konfliktzone ist eine prinzipiell andere Risikokategorie.

Der Branchenverband SEAU empfahl in seinem Überblick für 2025 gesondert die „gesetzliche Einführung wirksamer Mechanismen zur Versicherung von Kriegsrisiken" – das heißt, selbst nachdem der Markt anfing, sich zu bewegen, gibt es noch keine systematische Lösung. Das Abkommen von „Electrica Ukraine" ist Handarbeit, keine skalierbare Lösung.

  • Finanzierung: 23,6 Millionen Euro – etwa 70% der Projektkosten
  • Versicherung: Lloyd's-Syndikate, ein erstes solches Präzedenzfall in der ukrainischen Energiewirtschaft
  • Vertrag: Langzeitvertrag mit Ukrenergo für Frequenzregelleistungen
  • Marktkontext: Im Jahr 2024 wurden im Rahmen von Ukrenergo-Auktionen 398 MW Speicherkapazität installiert – die Nachfrage ist da, aber Versicherungsdeckung bleibt eine Ausnahme

Präzedenzfall oder Einzelabkommen

Die Schlüsselfrage ist nicht, ob dieses spezifische BESS funktioniert. Die Frage ist, ob diese Abkommensstruktur – Staatsbank plus internationaler Versicherer plus Langzeitabnahmevertrag von Ukrenergo – zu einem wiederholbaren Schema für folgende Projekte wird.

Wenn SEAU recht hat und die Ukraine bis Ende 2026 über 3 GW neuer Speicher erwartet, wird Finanzierung ohne Versicherung zum Engpass. Der Lloyd's-Präzedenzfall skaliert entweder über standardisierte Versicherungsbedingungen – oder bleibt eine Ausnahme für diejenigen, die sich eine individuelle Abkommensstrukturierung leisten können.

Wenn in den nächsten 12 Monaten kein weiteres Abkommen mit internationaler Kriegsrisikodeckung erscheint, bedeutet das eine Sache: Lloyd's sind in dieses Abkommen als Ausnahme eingestiegen, nicht als Beginn einer neuen Politik gegenüber der Ukraine.

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