Die Ukraine erhielt die zweite Tranche im Rahmen des EFF-Programms — etwa 690 Mio. Dollar (503 Mio. SDR). Nach Aussage von Premierminister Sergij Korezkyj wurden die Mittel bereits dem Staatsbudget zugewiesen und fließen in „prioritäre Ausgaben und makrofinanzielle Stabilität". Insgesamt hat die Ukraine im Rahmen des neuen vierjährigen Programms bereits 2,2 Milliarden Dollar von insgesamt 8,1 Milliarden Dollar erhalten.
Zusammen mit der Tranche veröffentlichte der Exekutivrat des IWF jedoch auch seine eigene Bewertung — und diese fällt nicht rein lobend aus.
Wo Kiew zurückgeblieben ist
Der IWF stellte fest: Alle quantitativen Indikatoren zum Ende März wurden erfüllt. Bei den strukturellen Reformen jedoch gibt es Verzögerungen. Einige Maßnahmen wurden mit Verspätung umgesetzt, andere wurden verschoben. Der Fonds vermerkte besonders, dass das Zielziel für die Nettoauslandsreserven zum Ende Juni nicht erreicht wurde — dies wird mit den Folgen der Lage im Nahen Osten und Angriffen auf kritische Infrastruktur in Verbindung gebracht.
„Die Umsetzung einiger struktureller Reformen hat sich verzögert. Die Behörden stimmten Anpassungsmaßnahmen und überarbeiteten Zeitplänen zu"
IWF, Ergebnisse der ersten Überprüfung des EFF-Programms
Zu den Bereichen, bei denen der Fonds eine Beschleunigung erwartet, gehören: Fiskalpolitik, Korruptionsbekämpfung, Energiewirtschaft und Finanzen. Eine bemerkenswerte Einzelheit: Der IWF stimmte der Tranche trotz Nichterfüllung der Bedingung zur Verabschiedung eines Gesetzes über die Besteuerung internationaler Pakete bis 150 Euro zu — er machte also eine Ausnahme, vermerkte diese aber.
Umfang: dritter größter Geldgeber seit Beginn der vollumfänglichen Invasion
Mit der zweiten Tranche erreicht die Gesamtfinanzierung des IWF für die Ukraine seit Beginn der vollumfänglichen Invasion 15,6 Milliarden Dollar — dies macht den Fonds zum drittgrößten Geldgeber in diesem Zeitraum. Das Programm läuft bis 2029, weitere Tranchen hängen von regelmäßigen Überprüfungen ab.
Parallel dazu bleibt das Haushaltsdefizit dieses Jahres bei etwa 20 Milliarden Dollar — die 690 Millionen Dollar decken nur einen kleinen Teil davon ab. Der Rest soll durch bilaterale Geldgeber und EU-Kredite gedeckt werden: Im Dezember 2025 billigte Brüssel ein Darlehen im Rahmen des Ukraine Support Loan über 90 Milliarden Euro für 2026–2027.
Was kommt als nächstes
Die Regierung Korezkyj versprach öffentlich, die Umsetzung der Reformen zu beschleunigen. Der IWF warnte jedoch bereits: ein Rückschritt ist inakzeptabel. Sollten strukturelle Verpflichtungen bis zur nächsten Überprüfung erneut mit Verzögerung erfüllt werden, könnte der Fonds keine weitere „Ausnahme" machen.
Die Frage ist nicht, ob die dritte Tranche fließt, sondern ob Kiew bis zur nächsten Überprüfung echte Fortschritte in der Korruptionsbekämpfung und Energiewirtschaft — zwei Bereichen, in denen die Rückstände am deutlichsten sind — zeigen kann.