Am 12. Juni einigten sich die IWF-Mission und die ukrainische Regierung auf Personalebene auf die erste Überprüfung des vierjährigen erweiterten Finanzierungsprogramms (EFF). Nach der Genehmigung durch den IWF-Vorstand wird Kiew Zugang zu etwa 690 Millionen Dollar haben, was die Gesamtzahlungen im Rahmen des Programms auf 2,2 Milliarden Dollar erhöht, von den vorgesehenen 8,1 Milliarden Dollar.
Was wurde umgesetzt und was nicht
Alle quantitativen Leistungskriterien (QPCs) und indikativen Ziele (IT) zum Ende März wurden erfüllt. Bei den Strukturreformen ist die Situation jedoch anders.
Zwei Strukturmeilensteine für das erste Quartal wurden von der Regierung verspätet erfüllt, einer wurde verfehlt. Um das Programm zu erhalten, einigten sich die Parteien auf einen aktualisierten Reformplan, Korrekturmaßnahmen und zusätzliche Verpflichtungen.
Zu den nicht erfüllten Verpflichtungen gehört: Das Kabinett reichte keinen Gesetzesentwurf zur Änderung der Verwaltungsansätze im Fonds zur Garantie von Einlagen natürlicher Personen sowie keinen Gesetzesentwurf zu Änderungen der Verbriefung und Hypothekenanleihen ein. Außerdem erfüllte die Ukraine seine Zusage nicht, vakante Positionen in den Aufsichtsräten von Staatsbanken in den festgesetzten Fristen zu besetzen.
„Das Tempo der Strukturreformen in der Ukraine hat sich verlangsamt"
Gavin Grey, Leiter der IWF-Mission in der Ukraine
Nach Greys Angaben wollen sie die Planabweichungen durch neue politische Verpflichtungen ausgleichen — ein Standard-Verfahren, das die Erfüllung der Anforderungen jedoch auf die nächsten Quartale verschiebt, anstatt sie aufzuheben.
Was der IWF weiterhin fordert
Die Liste der konkreten Bedingungen geht über Finanzkennzahlen hinaus.
- Umsatzsteuer auf Pakete bis 150 Euro. Die Hauptbedingung für eine erfolgreiche Programmüberprüfung ist die Annahme eines Gesetzesentwurfs zur Besteuerung aller internationalen Sendungen. Der mit dem IWF abgestimmte Gesetzesentwurf sieht vor, nicht-kommerzielle Pakete im Wert von bis zu 45 Euro befreit zu lassen — ohne Mehrwertsteuer und Zölle; Pakete bis 150 Euro werden mit 20% Mehrwertsteuer besteuert. Die Werchowna Rada hat dieses Gesetz bislang nicht angenommen.
- Tarifrefrom im Energiesektor. Bis Ende Juni 2026 muss das Kabinett eine Roadmap für die schrittweise Liberalisierung der Gas- und Strommärkte verabschieden. In der IWF-Pressemitteilung wird direkt erwähnt, dass das aktuelle System der zu niedrigen Versorgungstarife die finanzielle Situation der staatlichen Energieunternehmen schadet. Die IWF-Erklärung enthält keine konkreten Zahlen: Der Fonds verlangt von der Ukraine nur die Roadmap selbst, keinen sofortigen Preissprung.
- Unternehmensführung von Staatsunternehmen. Der IWF betonte die Notwendigkeit, Reformen in diesem Bereich zu beschleunigen — insbesondere angesichts mehrerer Korruptionsfälle.
Mechanismus: Die Vereinbarung existiert, die Kontrolle ist nur auf dem Papier
Eine Vereinbarung auf Personalebene ist keine endgültige Entscheidung. Die Nationalbank der Ukraine bestätigte, dass die Vereinbarung nicht nur die erste Überprüfung des EFF-Programms umfasst, sondern auch den Abschluss der Konsultationen gemäß Artikel IV. Der IWF-Vorstand muss das Dokument noch genehmigen — nur danach hat Kiew Zugang zu den Mitteln.
Nach IWF-Schätzungen wird das BIP-Wachstum der Ukraine 2026 aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine und den Folgen des Konflikts im Nahen Osten auf 1,0–1,6% verlangsamen, und die Risiken bleiben außergewöhnlich hoch. Dabei bleibt das Programm dank anhaltender massiver externer Unterstützung vollständig finanziert.
Die Frage ist, ob die Werchowna Rada das Gesetz über die Mehrwertsteuer auf Pakete bis zur zweiten EFF-Überprüfung annimmt — wenn nicht, wird der IWF bereits einen Präzedenzfall für die wiederholte Nichteinhaltung derselben Verpflichtung haben.