Wo und was Georgieva sagte
Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds Kristalina Georgieva rief am Montag auf einer Konferenz zu Schwellenmärkten in Al-Ula (Saudi-Arabien) dazu auf, die Bedeutung der jüngsten Wechselkursschwankungen des Dollars nicht zu überschätzen. Über ihren Auftritt berichtet Bloomberg.
„Wir sollten uns nicht von kurzfristigen Wechselkursschwankungen mitreißen lassen. Ich sehe keine Veränderung in der Rolle des Dollars in nächster Zeit.“
— Kristalina Georgieva, Direktorin des IWF
Warum der Dollar schwächer wurde
Der Bloomberg-Dollarindex fiel im vergangenen Jahr um 8,1% – das schlechteste Ergebnis seit 2017 – und setzte seinen Rückgang im Jahr 2026 um weitere 1,3% fort. Der Fonds nennt mehrere Schlüsselfaktoren: die Zollpolitik der Regierung Trump, eine Verschlechterung der fiskalischen Disziplin in den USA und erhöhte Vorsicht internationaler Investoren. Separat rieten Regulierungsbehörden in China Finanzinstituten, ihre Bestände an US-Staatsanleihen wegen Konzentrations- und Volatilitätsrisiken zu reduzieren.
Was das praktisch bedeutet — für das weltweite System und für die Ukraine
Erstens, betont Georgieva: Kurzfristige Schwankungen sind nicht gleichzusetzen mit einer Änderung der Reservefunktion einer Währung. Der Reservestatus des Dollars beruht auf der Liquidität des Marktes und der Tiefe der Finanzinstrumente — Faktoren, die sich nicht sofort verändern.
Zweitens, ein schwächerer Dollar kann für Volkswirtschaften mit hohen externen Verbindlichkeiten in Dollar eine reale Entlastung bringen: die Kosten der Bedienung der Schulden könnten sinken, wenngleich das von der Struktur und den Laufzeiten der Verschuldung abhängt. Für die Ukraine ist dies ein potenzieller Kanal zur Verringerung des Drucks auf die Währungsreserven und die Haushaltsausgaben, aber keine Garantie: Vieles hängt von der Währungsstruktur der konkreten Verbindlichkeiten und den Bedingungen der Gläubiger ab.
Drittens, das Volatilitätsrisiko bleibt bestehen. Geringere Abhängigkeit von einem einzelnen Instrument (unter anderem aufgrund der Hinweise chinesischer Aufseher) kann den Prozess der Diversifizierung von Reserven und Änderungen in den Portfolios großer Investoren beschleunigen, was für Schwellenmärkte sowohl Risiken als auch Chancen schafft.
Kontext: Makroprognosen
Der IWF hat zudem seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im Jahr 2026 auf 3,3% verbessert (Stand: 19. Januar), was die Argumentation stützt, dass ein schwächerer Dollar nicht zwangsläufig ein Signal für eine globale Rezession ist, sondern mit einer moderaten Erholung der Aktivität einhergehen kann.
Fazit
Georgievas Äußerungen sind ein Appell zu einer rationalen Einschätzung der Risiken: Es gab viele Erschütterungen am Devisenmarkt, aber die fundamentalen Vorzüge des Dollars bleiben bestehen. Für die Ukraine ist es entscheidend, eine mögliche vorübergehende Abschwächung des Dollars zu nutzen, um die Anfälligkeit externer Verschuldung zu verringern und die Diversifizierung der Finanzierungen voranzutreiben, statt Schwankungen als eindeutige Bedrohung zu werten.