Papst Leo XIV. hat den globalen Trend steigender Rüstungsbudgets scharf kritisiert und bezeichnete das Wort „Verteidigung" als unangemessen zur Beschreibung massiver Aufrüstung. Die Stellungnahme erfolgte vor dem Hintergrund, dass die USA unter Donald Trump die NATO-Verbündeten drängen, mehr für das Militär auszugeben.
Der Pontifex fordert nicht nur zum Frieden auf – er stellt die Sprache in Frage, in der Weltführer die Militarisierung beschreiben. Wenn ein Land seinen Rüstungshaushalt verdoppelt, ist das noch Schutz – oder schon Vorbereitung zum Angriff? Leo XIV. hält es für gefährlich, diese Konzepte zu vermischen.
Die Position des Vatikans ist traditionell pazifistisch, doch der Zeitpunkt dieser Äußerung ist kein Zufall. Gerade jetzt finden in Brüssel und Washington Diskussionen über die Erhöhung der NATO-Ausgaben auf 5% des BIP statt. Trump setzt sich persönlich für diese Kennzahl ein und stellt sie als Bedingung für Europas Sicherheit dar.
Kritiker der Papstposition weisen auf das Offensichtliche hin: Die Ukraine kämpft gegen einen Aggressor, und „weniger Waffen" als Reaktion auf die russische Invasion klingt wie moralischer Luxus für diejenigen, die weit weg von der Front sind. Der Vatikan erklärte nicht, wo die Grenze zwischen legitimer Verteidigung und der „Aufrüstung" verläuft, die er verdammt.
Befürworter der päpstlichen Position hingegen weisen auf ein reales Risiko hin: Wenn sich alle gleichzeitig aufrüsten und sich dabei auf gegenseitige Bedrohungen berufen, ist dies die klassische Sicherheitsfalle, die in der Geschichte mehrfach in Kriegen endete, die niemand formal beginnen wollte.
Die Frage ist nicht abstrakt. Sollte der Westen tatsächlich 5% des BIP für Verteidigung erreichen – bedeutet das eine Umverteilung von Billionen Dollar weg von Sozialprogrammen, Infrastruktur und Klima. Sind Gesellschaften zu dieser Wahl bereit – und wird jemand sie danach fragen?