Im April 2026 verabschiedete die Werchowna Rada ein Gesetz, das die erhöhte Militärsteuer automatisch drei Jahre nach Beendigung des Kriegszustands aufhebt – der Satz kehrt von 5% auf die Vorkriegsrate von 1,5% zurück. Das Problem: Dies bedeutet einen drastischen Rückgang der Staatseinnahmen genau in dem Moment, wenn die teuerste Phase des Wiederaufbaus beginnt.
Was im Memorandum festgehalten ist
Das aktualisierte Memorandum über die Wirtschafts- und Finanzpolitik, das mit dem IWF unterzeichnet wurde, enthält einen neuen Punkt: Die Ukraine erwägt die Einführung einer „Wiederaufbausteuer" mit einem Satz von 5% – als direkter Nachfolger der Militärsteuer. Die Parameter sollen „klar in der Übergangsgesetzgebung nach Kriegsende definiert werden".
Der Parlamentsabgeordnete Jaroslaw Schelsnjak (Partei „Holos") bemerkte nach der Veröffentlichung des Dokuments, dass das Memorandum grundsätzlich keine neuen Anforderungen enthält: Die meisten Strukturelemente waren bereits im vorherigen Kooperationsprogramm mit dem Fonds vorgesehen, jetzt wurden jedoch hauptsächlich Details geklärt oder Fristen verschoben.
Woher kam die Idee
Zum ersten Mal sprach öffentlich Alona Shkrum, stellvertretende Ministerin für Entwicklung von Gemeinden und Territorien, Ende 2025 über die mögliche „Wiederaufbausteuer" – in einem Interview mit Forbes Ukraine. Sie erwähnte die Erfahrungen Japans und ein Konzept für einen separaten Wiederaufbaufonds, dessen eine Quelle eine spezielle Abgabe nach Beendigung der Kampfhandlungen sein könnte.
„Es wird keine Wiederaufbausteuer geben und kann es nicht geben. Das ist ein Axiom"
Alona Shkrum – auf Facebook, einige Tage nach jenem Interview
Die Idee wurde also zunächst geäußert, dann öffentlich verneint – und jetzt erscheint sie in einem offiziellen Memorandum mit dem IWF. Nicht als Lösung, aber bereits als dokumentierte Absicht.
Warum der Satz gleich ist – kein Zufall
Die Logik der Regierung ist transparent: Die 5-prozentige Militärsteuer ist bereits in die Gewohnheiten der Steuerzahler und in die Haushaltsrechnungen eingeflossen. Ein abrupter Verzicht darauf nach dem Krieg schafft eine Lücke, die nicht zu füllen ist – die internationale Hilfe wird zu diesem Zeitpunkt, nach Schätzungen, hauptsächlich in Form von Krediten fließen, die zurückgezahlt werden müssen. Nach der aktualisierten Bewertung der Weltbank und der Regierung beträgt die Gesamtkostennormen des Wiederaufbaus 524 Milliarden Dollar im Verlauf des nächsten Jahrzehnts.
- Militärsteuer derzeit: 5% für Privatpersonen, separater Satz für Selbstständige mit einheitlicher Steuer
- Nach dem Krieg ohne neues Gesetz: automatische Rückkehr zu 1,5%
- Variante aus dem Memorandum: neue Abgabe mit demselben Satz von 5%, aber unter dem Namen „Wiederaufbausteuer" und mit neuer Rechtsgrundlage
Das Memorandum enthält keine konkreten Parameter – wer zahlt, auf welcher Grundlage, mit welchen Ausnahmen. Das Dokument hält lediglich fest, dass diese Option erwogen wird.
Bemerkenswert ist, dass der IWF diese Steuer nicht als „Meilenstein" fordert – also nicht als zwingende Bedingung für eine Tranche. Der Fonds unterstützte lediglich die Aufnahme der Idee in das Memorandum. Der eigentliche Druck kommt von anderer Seite: Ohne stabile Einnahmen wird der Haushalt die nächsten Programmüberprüfungen nicht bestehen.
Falls ein Waffenstillstand oder ein Friedensvertrag unterzeichnet wird, bevor das Parlament die „Übergangsgesetzgebung" mit den Parametern der neuen Abgabe verabschiedet – wird die Rada es schaffen, das juristische Vakuum zu füllen, bevor die Norm zur Rückkehr zu 1,5% automatisch in Kraft tritt?