Warum das jetzt wichtig ist
Der polnische Arbeitsmarkt ist so stark von ukrainischen Geflüchteten abhängig, dass deren massenhafte Rückkehr die wirtschaftliche Dynamik des Landes verändern könnte. Nach Einschätzung des Polnischen Wirtschaftsinstituts (PIE) droht Polen im ungünstigeren Szenario der Verlust von mehr als 0,5 Mio. erwerbstätigen Migrantinnen und Migranten — eine reale Bedrohung für Produktion, Bauwesen und Logistik.
Zahlen und Quellen
Nach Angaben des für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) erstellten Deloitte-Berichts trugen die Ukrainerinnen und Ukrainer 2024 zu einem Wachstum des polnischen BIP von 2,7% (≈98,7 Mrd. Zloty) bei; Analysten prognostizieren, dass ihr Anteil bis 2030 auf 3,2% steigen könnte. Das PIE betont: Der Markt hat sich schneller angepasst als erwartet, aber ein großer Teil der Geflüchteten hat noch keine klaren Pläne für die Zukunft — etwa 40% der Erwachsenen werden voraussichtlich in Polen bleiben.
"Der Markt hat sich besser als erwartet an den Zustrom der Geflüchteten angepasst, und ihre Arbeitsproduktivität ist stärker gestiegen als prognostiziert."
— Polnisches Wirtschaftsinstitut (PIE-Bericht)
Wer am stärksten betroffen ist
Die verletzlichsten Sektoren sind: Bauwesen, Industrie und Verkehr (überwiegend Männer) sowie Dienstleistungen, Handel, Gesundheitswesen, Bildung und Dolmetsch‑/Übersetzungsdienste (überwiegend junge Frauen). Der Wegfall eines großen Teils dieser Arbeitskräfte würde Lieferketten schwächen und die Kosten für Rekrutierung und Ausbildung von Ersatzkräften erhöhen.
"Im Jahr 2024 trugen die Ukrainerinnen und Ukrainer zu einem Wachstum des polnischen BIP um 2,7% bei, das entspricht 98,7 Mrd. Zloty."
— Deloitte für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR)
Was das für die Ukraine bedeutet
Die Rückkehr eines Teils der Arbeitskräfte kann zum Katalysator für den Wiederaufbau werden: Arbeitskräfte, berufliche Fertigkeiten und unternehmerische Initiative werden für die Restaurierung der Infrastruktur und die Gründung von Unternehmen benötigt. Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht die Ukraine Beschäftigungsprogramme sowie Wohn- und Bildungsinitiativen und die Koordination mit internationalen Partnern.
Politischer und praktischer Kontext
Die Entscheidung der EU, den vorübergehenden Schutz bis zum 4. März 2027 zu verlängern, verschafft Zeit für die Planung von Maßnahmen in Polen und in der Ukraine. Nach diesem Datum müssen die Staaten Geflüchtete auf Aufenthaltstitel umstellen oder Programme für freiwillige Rückkehr anbieten — dieses politische Fenster bietet die Möglichkeit, die Risiken für beide Seiten zu mindern.
Fazit
Der Verlust von bis zu einer halben Million Arbeitskräften für Polen ist keine abstrakte Bedrohung, sondern konkrete Einbußen in Produktion, Dienstleistungen und Stabilität des Arbeitsmarktes. Für die Ukraine kann die Rückkehr zu einer wichtigen Ressource für den Wiederaufbau werden, wenn Partner in Reintegration und Investitionen investieren. Ob Regierungen und internationale Geber diese Risiken in Chancen verwandeln können — das ist die Schlüsselfrage der nächsten zwei Jahre.