Ein Facebook-Post ließ den südkoreanischen Kospi um 5% einbrechen: Wie die Idee von „KI-Dividenden" Investoren schockierte

Ein Berater des südkoreanischen Präsidenten hat in den sozialen Medien über die Verteilung von Übergewinnen aus künstlicher Intelligenz zwischen den Bürgern geschrieben – und das reichte aus, um den Aktienmarkt, der gerade ein Rekordhoch von 8.000 Punkten erreicht hatte, nach unten zu drehen.

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Фото: EPA

Am Montagabend veröffentlichte Kim Yong Bom, Chefberater des Präsidenten für Politikfragen, auf Facebook Überlegungen darüber, was geschehen wird, wenn Südkorea sich als Schlüsselknotenpunkt in der KI-Infrastruktur etabliert. Sein Fazit: Die überschüssigen Steuereinnahmen aus dem KI-Boom sollten an die Bürger in Form direkter Zahlungen — „Dividenden" — zurückfließen.

Am nächsten Morgen öffnete der Kospi auf einem Rekordniveau von 7.999 Punkten — und kollabierte dann. Gegen 10 Uhr, als sich die Nachrichten über den Beitrag verbreiteten, fiel der Index um 5,12% — auf 7.421 Punkte. Die Aktien von Samsung Electronics und SK hynix fielen stark. Nach Kims Erklärungen verlangsamte sich der Rückgang, aber der Kospi schloss dennoch bei 7.643, mit einem Verlust von 2,3% — zum ersten Mal seit sechs Sitzungen.

„Wenn Koreas strategische Position in der KI-Infrastruktur-Lieferkette einen strukturellen Boom schafft, der zu Rekordüberschüssen führt — ist die Frage, wie dieses Geld ausgegeben wird, nicht nur eine Frage der Wahl, sondern eine Frage des Politikdesigns".

— Kim Yong Bom, Facebook-Beitrag

Warum reagierte der Markt so stark auf einen einzelnen Beitrag? Der Kospi ist im laufenden Jahr bereits kumulativ um 86% gestiegen — und die Stimmung an ihm ist äußerst volatil. Der Stratege von Lombard Odier Singapore, Ho Min Lee, merkte an: „Die Geschwindigkeit des Rückgangs zeigt, dass der Auslöser der unerwartete Kommentar von Direktor Kim zur ‚KI-Dividende' war".

Kontext, ohne den die Zahlen nichts aussagen: Die Gewinnnprognose von Samsung übertrifft die von Apple und Alphabet — nur Nvidia liegt vorne; der erwartete Gewinn von SK Hynix für 2026 erreicht 239 Billionen Won. Vor diesem tektonischen Verschiebung in Unternehmensgewinnen entstand die Idee der Umverteilung.

„Persönliche Meinung" oder Testballon

Das Präsidentenbüro erklärte nach Handelsschluss, dass Kims Vorschlag eine „persönliche Meinung" sei und nicht mit internen Diskussionen im Büro des Präsidenten zusammenhänge. Allerdings ist Kim Yong Bom ein Schlüsselmitglied des Politikteams in der Verwaltung von Lee Jae-myung, die konsequent auf „inklusives" Wachstum hinweist.

Die Idee, technologische Übergewinne unter allen Bürgern zu verteilen, ist nicht neu. Alaska leitet seit 1976 verfassungsmäßig mindestens 25% der Einnahmen aus Mineralressourcen in einen Dauernd-Fonds, dessen Auszahlungen jeder Bewohner des Staates erhält. Der Unterschied liegt darin, dass Alaska Gewinne aus der Förderung nicht erneuerbarer Ressourcen verteilt — Öl. Der koreanische Vorschlag sieht eine Umverteilung von Steuern von privaten Technologieunternehmen vor, was sofort Fragen über die Grenzen zwischen Fiskal- und Unternehmungspolitik aufwirft.

Was die Geschäftswelt wirklich beunruhigte

In Geschäftskreisen wachsen Befürchtungen, dass der Vorschlag Druck auf Unternehmen signalisieren könnte, Gewinne mit der breiten Öffentlichkeit zu teilen — auch wenn der Mechanismus formal an „überschüssige" Steuereinnahmen gebunden ist und nicht an eine direkte Unternehmenssteuer.

  • Erklärung des Beamten: Auszahlungen sollen aus „überschüssigen Steuereinnahmen" kommen, nicht aus einer neuen Unternehmenssteuer.
  • Marktreaktion: Selbst Erklärungen brachten den Kospi nicht zum Rekordniveau des Tages zurück.
  • Position von Cheong Wa Dae: „persönliche Meinung", keine Regierungsposition.
  • Umfang und Mechanismus: unklar — und genau das bleibt das Hauptrisiko.

Die Panik verflog schnell, aber Umfang, Finanzierungsquellen und Umsetzungsweg der „Dividende" bleiben unklar — und der Markt wird die Entwicklung wahrscheinlich genau beobachten.

Wenn Samsung und Nvidia wirklich zum neuen „Öl" werden — wer bestimmt dann, wann Gewinne „überschüssig" genug sind, um verteilt zu werden: die Regierung, das Parlament oder der Markt selbst?

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