Was passiert ist
Laut Reuters und informierten Quellen stieg Anfang 2025 in Nuuk die Zahl der Anfragen zum Immobilienkauf durch US-Käufer rasant an. Juristen und Immobilienagenturen begannen gerade zu dieser Zeit, solche Anfragen zu erhalten, als die politische Rhetorik Trumps rund um Grönland eine neue Färbung bekam.
Die Reaktion der Gesetzgeber war schnell: Bereits im vergangenen Jahr wurden in der Hauptstadt vorübergehende Beschränkungen für Immobilienkäufe eingeführt, und ein schon lange ausgearbeiteter Gesetzentwurf zur Prüfung ausländischer Investitionen rückte in den Mittelpunkt und wurde erneut zur Beratung vorgelegt.
Warum das wichtig ist – Sicherheit und Wohnraum
Auf dem Spiel stehen zwei miteinander verknüpfte Interessen: die Erhaltung bezahlbaren Wohnraums für Einheimische und der Schutz vor externen Einflüssen, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Folgen haben können. Nach Angaben von drei Gesprächspartnern von Reuters waren es gerade die Befürchtungen, Einheimische könnten verdrängt werden, und mögliche politische Motive der Investoren, die die Abgeordneten alarmierten.
„Die aggressivsten von ihnen wollten alles kaufen, was auf dem Markt verfügbar war“
— ein Gesprächspartner von Reuters, Jurist/Agent aus Nuuk
Was der Gesetzentwurf vorsieht
Der Entwurf, der im April erneut geprüft werden soll, verpflichtet ausländische Investoren, die Herkunft der Mittel offenzulegen, und gibt den Behörden das Recht, Geschäfte abzulehnen, wenn politische Verbindungen oder eine Bedrohung der nationalen Sicherheit festgestellt werden. Prüfpflichtig sind Investitionen in kritische Infrastruktur, IT, Bergbau, Wasserkraft und staatliche Unternehmen.
Das Gesetz nennt keine einzelnen Länder, ruft jedoch zur Zusammenarbeit mit „verlässlichen Verbündeten“ auf, was faktisch einen differenzierten Ansatz gegenüber amerikanischen und europäischen Investitionen im Vergleich zu chinesischen bedeutet.
„Wir sind sehr an einer Zusammenarbeit mit amerikanischen Investoren interessiert, aber nicht in einer Weise, in der sie versuchen, bestimmte politische Ziele durchzusetzen“
— Aggalu Jerimiassen, Abgeordneter der Partei Atassut
Kontext und Folgen
Analysten weisen darauf hin: Für kleine Hoheitsgebiete wie Grönland ist ein plötzliches Aufflammen des Interesses eines großen Partners nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern auch ein Risiko der strategischen Übernahme wichtiger Vermögenswerte. Zugleich betont die Regierung, dass die vorübergehenden Beschränkungen beim Immobilienkauf eine Präventivmaßnahme zum Schutz der Wohnraumverfügbarkeit seien und keine Reaktion auf konkrete Vorfälle.
Wichtig ist außerdem: Die militärische Präsenz der USA auf der Insel bleibt formal unter der Kontrolle Dänemarks, sodass die neue Gesetzgebung zivile Investitionen im Zuständigkeitsbereich Grönlands betrifft.
Was das für die Ukraine bedeutet
Der grönländische Fall ist eine Erinnerung für kleine und mittelgroße Staaten: Formalisierte Prüfmechanismen für Investitionen werden zu einem Instrument der Souveränität. Für die Ukraine, die derzeit ihre strategische Infrastruktur verteidigt, ist dies ein weiteres Argument für klare Regeln zur Kapitalaufnahme – Investitionen sollen fließen, aber mit Garantien für Transparenz und Sicherheit.
Fazit
Die Entscheidung der grönländischen Abgeordneten zielt nicht auf Isolation gegenüber ausländischem Kapital, sondern auf Balance: Offenheit für Investitionen unter der Bedingung von Transparenz und dem Schutz lokaler Interessen. Nun kommt es darauf an, wie die Prüfmechanismen konkret funktionieren werden – Deklarationen müssen zu realen Kontrollinstrumenten werden.