Kurz
Nach Angaben des RDNA5 (Stand 31. Dezember 2025) belaufen sich die gesamten Bedürfnisse der Ukraine für Wiederaufbau und Erholung im kommenden Jahrzehnt auf rund $588 Mrd. Das sind 12,2% mehr als vor einem Jahr — und fast das Dreifache des prognostizierten nominalen BIP der Ukraine für 2025. Diese Zahlen sind keine Abstraktion: sie bestimmen, wer zahlt, welche Projekte Priorität haben und wie schnell das normale Leben von Millionen Menschen zurückkehrt.
Wer gerechnet hat und was das bedeutet
RDNA5 wurde am 23. Februar 2026 als gemeinsame Bewertung der Regierung der Ukraine, der Weltbankgruppe, der Europäischen Kommission und der UN veröffentlicht. Eine solche Koalition verleiht der Einschätzung fachliches Gewicht — Investoren und Geber orientieren sich an genau diesen Daten, wenn sie über Finanzierungen entscheiden.
"Diese Summe übersteigt das für 2025 prognostizierte nominale BIP der Ukraine nahezu um das Dreifache."
— Yuliia Svyrydenko, Ministerpräsidentin der Ukraine
Zahlen, die man kennen sollte
- Gesamtbedarf: ≈ $588 Mrd. (für das nächste Jahrzehnt)
- Zuwachs innerhalb eines Jahres: +$64 Mrd. (12,2%) im Vergleich zu RDNA4
- Direkter Schaden: über $195 Mrd. (in RDNA4 waren es $176 Mrd.)
- Sektoren mit dem höchsten Bedarf: Verkehr — über $96 Mrd.; Energie — ≈ $91 Mrd.; Wohnen — ≈ $90 Mrd.; Handel und Industrie — >$63 Mrd.; Landwirtschaft — >$55 Mrd.
- Energie: die Zahl beschädigter/zerstörter Anlagen ist um 21% gestiegen
- Verkehr: der Bedarf stieg um ≈ 24% aufgrund verstärkter Angriffe auf Eisenbahn und Häfen im Jahr 2025
- Wohnen: 14% des Wohnungsbestands sind beschädigt oder zerstört — über 3 Mio. Haushalte
- Entminung und Räumung: fast $28 Mrd. künftige Ausgaben
Warum die Summe gestiegen ist
Der Anstieg um $64 Mrd. ist das Ergebnis von zwei Schlüsselfaktoren: Erstens haben die eskalierenden Angriffe auf kritische Infrastruktur im Jahr 2025 (insbesondere auf Energie, Eisenbahn und Häfen) die direkten Schäden erhöht; zweitens berücksichtigt die Bewertung nun teurere Projektentscheidungen zur Erhöhung der Resilienz der Systeme (Energie, Verkehr, Wohnungswesen) — also nicht nur Wiederherstellung im bisherigen Zustand, sondern auch Modernisierung, um künftigen Angriffen und Klimarisiken besser zu widerstehen.
Was bereits getan wurde und wohin die Mittel fließen werden
Seit Februar 2022 wurden mindestens $20 Mrd. für dringende Reparaturen und erste Wiederaufbaumaßnahmen in den Bereichen Wohnen, Energie, Bildung, Verkehr und anderen kritisch wichtigen Sektoren bereitgestellt. Für 2026 plant die Regierung eine Reihe von Programmen, darunter Entschädigungen für zerstörte Wohnhäuser, Dekontamination/Entminung und sektorübergreifende wirtschaftliche Unterstützung in Höhe von insgesamt über $15 Mrd.
Die Regierung hat 21 Projekte im Rahmen des Wiederaufbauprogramms Ukraine III genehmigt — zur Wiederherstellung medizinischer und Bildungseinrichtungen, zum Bau von Schutzräumen und zur Modernisierung kommunaler Infrastruktur in drei Regionen. Separat kündigten die EU zusammen mit Dänemark, Deutschland, Frankreich und Litauen im November 2025 die Initiative EU4Reconstruction im Wert von €37 Mio. zur Unterstützung der ersten Wiederaufbau-Schritte an.
Was das für die Menschen und den Staat bedeutet
Für die Bürgerinnen und Bürger sind das nicht nur große Zahlen: davon hängt ab, wann das Dach repariert wird, ob es Strom im Haus gibt, ob ein Hafen wieder arbeitet, von dem Millionen Menschen abhängen. Für Staat und Partner ist es die Herausforderung, Finanzierung, Projektentscheidungen und Kontrollmechanismen so zu koordinieren, dass das Geld in nachhaltige, transparente Projekte fließt und nicht in laufende Ausgaben.
Zusammenfassung
RDNA5 zeichnet ein klares Bild: der Ressourcenbedarf wächst, weil die Risiken zunehmen. Die zentrale Aufgabe besteht nun darin, diese Einschätzungen in unterzeichnete Verträge, kontrollierte Projekte und greifbare Ergebnisse für Millionen Haushalte zu verwandeln. Ob Geber und ukrainische Behörden sich schnell genug synchronisieren können — davon hängt ab, wie rasch der Wiederaufbau im Alltag spürbar wird.