Pirogovo ist das größte Freilichtmuseum der Ukraine und eines der größten in Europa. Hier sind alle historischen Regionen des Landes vertreten: Polesien, Podolien, Slobodschina, Karpaten. Doch ein Stück Land stand jahrzehntelang leer. Nicht wegen Geldmangels — wegen des sowjetischen Gedächtnisverbots.
Was 50 Jahre lang in Pirogovo fehlte
Das Museum wurde in den 1970–80er Jahren erbaut — genau in der Zeit, als die sowjetische Macht die Krimtataren nach ihrer Deportation 1944 faktisch aus der offiziellen Kulturkarte der UdSSR strich. Ein krimtatarisches Gehöft im Freilichtmuseum konnte einfach nicht entstehen: Ein Volk, dessen Architektur es hätte repräsentieren sollen, existierte offiziell «nicht».
«Ein weiser Mann, der hier plante, ließ dieses Stück Land unbearbeitet. Und wir verstehen, dass dieser Platz nicht ohne Grund hier leer war».
Oksana Poviakel, Generaldirektorin des Nationalen Museums für Volksarchitektur und Lebensweise der Ukraine
Am 26. Juni, dem Tag der krimtatarischen Flagge, bekam diese Fläche endlich eine Bestimmung: Hier wurden die ersten Steine des Fundaments der zukünftigen Ausstellung «Krimtatarisches Gehöft» gelegt. Der Sand aus der Krim wurde auf das Fundament gestreut.
Neun Gehöfte — und eine absichtliche Pause
Insgesamt sind auf der zugewiesenen Fläche 10 authentische Gehöfte geplant, die krimtatarische Architektur, regionale Pflanzen und Lebensweise reproduzieren sollen. Aber das zehnte wird absichtlich das letzte sein. Es wird erst nach der Deokupation der Krim errichtet: Dies ist von Anfang an in der Projektkonzeption verankert.
An der Umsetzung beteiligten sich die krimtatarische Gemeinde, das Unternehmen Baker Tilly Ukraine, die staatliche Unternehmung «Krimski Dim» und die Initiative «Krim Front». Als erste wurden Eiben auf dem Gelände gepflanzt — Bäume, die als Symbole der ukrainischen Krim gelten.
Was dies über die Zeremonie hinaus bedeutet
Freilichtmuseen sind nicht einfach Tourismusobjekte. In den Baltischen Ländern wurden Museen im Freien als Instrument zur Bewahrung der Identität unter Besatzung und danach eingesetzt. Das Erscheinen eines krimtatarischen Gehöfts in Pirogovo sichert die Präsenz des Volkes im staatlichen Kulturraum der Ukraine — etwas, das es noch vor 2014 nicht gab.
Das Projekt hat keine vollständige staatliche Finanzierung: Es wird auf Partnerschaftsbasis umgesetzt. Das bedeutet, dass das Tempo des Baus davon abhängt, ob das Interesse privater Partner nach Abschluss der symbolischen Zeremonien bestehen bleibt.
Wenn die ersten neun Gehöfte vor der Deokupation fertiggestellt werden, wird das zehnte nicht nur ein architektonisches Objekt, sondern eine politische Geste der Rückkehr. Aber nur unter der Bedingung, dass das Projekt nicht auf der Ebene des gelegten Steins und Sandes stehen bleibt.