„Gelbes Band" in Hostomel: Eine Aufführung über die Besatzung dort, wo sie wirklich stattfand

Eine autobiografische Inszenierung über das Erlebte kehrt dorthin zurück, wo alles begann — nach Hostomel, das 35 Tage unter russischen Truppen stand.

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Hostomel ist nicht einfach nur ein Name auf der Karte der Region Kiew. Dies ist der Ort, wo im Frühjahr 2022 einige der blutigsten Kämpfe der ersten Wochen der umfassenden Invasion stattfanden. Genau hier, wo noch immer Spuren von dem zu sehen sind, was geschah, wird das Originalstück „Gelbes Band" aufgeführt.

Das gelbe Band ist ein wiederkennbares Symbol: Damit wurden Eigentum, Häuser und Menschen in besetzten Gebieten markiert. Für diejenigen, die die Besatzung durchlebt haben, ist dies keine Theatrmetapher, sondern ein Detail aus der eigenen Erinnerung.

Die Aufführung in Hostomel ist eine bewusste Entscheidung, nicht im Kiewer Theater zu spielen, sondern dort, wo die Ereignisse des Stücks eine echte geografische Entsprechung hatten. Dies verändert die Natur des Zuschauererlebnisses: Der Zuschauer und die Figur könnten sich als Nachbarn oder als eine Person herausstellen.

Ein solcher Ansatz – Theater am Ort des Traumas – stellt dem Genre eine konkrete Frage: Kann Kunst das tun, was ein Dokument oder ein Bericht nicht kann, wenn das Publikum buchstäblich inmitten von dem sitzt, worum es auf der Bühne geht?

„Gelbes Band" ist ein Originalwerk, das auf der Grundlage echter Zeugnisse von Menschen entstand, die die Besatzung in der Region Kiew erlebt haben. Die Details der Aufführung werden von den Organisatoren geklärt.

Die Frage, die nach der Ankündigung bleibt: Wird die Aufführung in Hostomel eine einmalige Gedenkveranstaltung sein – oder der Anfang einer Praxis, bei der ukrainische Stücke über den Krieg bewusst die sicheren Theatersäle verlassen und dorthin gehen, wo das stattfand, das sie beschreiben?

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