Dreizehn Menschen sind gerade von einem Ort zurückgekehrt, an dem die durchschnittliche Temperatur im Winter auf minus 20 Grad sinkt, die Verbindung zur Heimat abbricht und Nachrichten von der Front mit Verzögerung eintreffen. Die ukrainische Antarktisexpedition hat ihren jüngsten einjährigen Arbeitseinsatz auf der Station «Akademik Vernadsky» abgeschlossen — und das ist nicht nur ein behördlicher Reisebericht.
Die Station besteht seit 1996, als Großbritannien sie der Ukraine für symbolisch ein Pfund Sterling übergab. Seitdem haben ukrainische Wissenschaftler keine Saison ausgelassen — einschließlich 2022 und aller Jahre danach. Während der Staat Menschen und Ressourcen mobilisiert, bleibt die wissenschaftliche Präsenz in der Antarktis ununterbrochen. Das ist grundlegend: eine Pause, selbst von einem Jahr, bedeutet den Verlust eines Platzes in internationalen wissenschaftlichen Konsortien und der mehrjährigen Beobachtungsreihen, die sich nicht nachträglich wiederherstellen lassen.
Zur diesjährigen Expedition gehörten 13 Polarforscherinnen und -forscher — Meteorologen, Geophysiker, ein Arzt, Mechaniker. Ihre tägliche Arbeit umfasst Messungen der Ozonschicht, die Überwachung des Magnetfelds der Erde, die Beobachtung von Pinguinpopulationen und die Dynamik der Gletscher. Diese Daten fließen in globale Datenbanken und werden von Forschern in Dutzenden Ländern genutzt — unabhängig davon, wer gerade gegen wen kämpft.
Die eigentliche Belastung der Expedition liegt nicht in der Kälte oder der Entfernung. Sie besteht darin, dass Menschen freiwillig für ein Jahr dorthin gehen, im Wissen, dass zu Hause Krieg herrscht, Angehörige bedroht sind und sie physisch nichts tun können. Einige Teilnehmer früherer Expeditionen gingen nach ihrer Rückkehr sofort zum Militäramt. Wie diejenigen, die jetzt zurückgekehrt sind, damit leben, ist eine eigene Frage, die offizielle Berichte nicht erfassen.
Die Ukraine ist eines der wenigen Länder, die eine dauerhafte Präsenz in der Antarktis aufrechterhalten. Das verschafft ein Stimmrecht im Antarktisvertrag — dem internationalen Mechanismus, der die Nutzung des Kontinents regelt und seine Militarisierung oder Privatisierung ausschließt. Präsenz = Stimme. Abwesenheit = Beobachter ohne Vetorecht.
Die nächste Rotation wird in einigen Monaten aufbrechen. 13 Menschen zu finden, die bereit sind, unter Kriegsbedingungen ein Jahr auf der Station «Akademik Vernadsky» zu verbringen, ist eine Aufgabe, die mit jedem Jahr nicht einfacher wird. Ob es genügend Freiwillige für die 30. und 31. Expeditionen geben wird, hängt nicht nur von der Finanzierung ab, sondern auch davon, ob die Gesellschaft diese Arbeit als ausreichend wichtig erachtet, um Menschen dorthin gehen zu lassen.