Єлісєєв: Trumps NATO-Aussagen spielen mit russischen Narrativen

Ein ehemaliger Diplomat erklärt, warum öffentliche Zweifel an der Zukunft des Bündnisses gefährlicher sind als reale Differenzen innerhalb des Blocks.

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Костянтин Єлісєєв (фото: president.gov.ua)

Kostiantyn Yeliseyev, ehemaliger stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung und Botschafter der Ukraine bei der EU, stellte eine einfache Frage: Wenn die NATO tatsächlich in Gefahr ist — wem nützt es, das öffentlich auszusprechen?

Seinen Angaben zufolge hat das Bündnis De Gaulle überstanden, der Frankreich aus dem militärischen Kommando herausnahm, und die Krisen der 1960er, 1980er und 2000er Jahre durchlebt. Trump ist nicht der erste amerikanische Präsident, der den Wert kollektiver Verteidigung für die USA in Frage stellt. Aber jedes Mal, wenn diese Diskussion an die Öffentlichkeit gelangt, wirkt sie nicht auf die Reform der NATO, sondern zugunsten Moskaus.

„Eine öffentliche Debatte über die Bedrohungen für das Verteidigungsbündnis ist bereits ein russisches Narrativ“, formuliert Yeliseyev. Der Unterschied zwischen innerer Kritik und äußerlicher Demonstration von Schwäche sei seiner Meinung nach grundlegend: Erstere stärkt die Institution, letztere lädt den Gegner zur Eskalation ein.

Yeliseyevs Position fügt sich in ein größeres Muster: Nach jeder Äußerung Trumps über die „ungerechte“ Verteilung der Ausgaben in der NATO greifen die Kremlmedien die Rhetorik sofort als Bestätigung des „Zusammenbruchs des Westens“ auf. Nicht weil es wahr wäre, sondern weil es ein bequamer Deutungsrahmen ist.

Gleichzeitig ist das Problem real: Nur 23 der 32 Mitglieder des Bündnisses erfüllen die Vorgabe von Verteidigungsausgaben in Höhe von 2 % des BIP Stand 2024. Trump kritisiert genau dieses Ungleichgewicht, und in diesem Punkt ist sein Argument begründet. Aber die Kritik am Ungleichgewicht und das öffentliche Infragestellen der Handlungsfähigkeit des Blocks sind zwei verschiedene Dinge mit unterschiedlichen Folgen.

Yeliseyev erklärt nicht, wo genau diese Grenze verläuft und wer das Recht hat, sie zu ziehen. Wenn öffentlicher Druck seitens der USA die Europäer dazu brachte, ihre Ausgaben zu erhöhen — und genau das geschah nach 2017 —, ist eine solche „gefährliche“ Rhetorik dann tatsächlich ein Reforminstrument und keine Bedrohung?

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