1800 km und EW-Systeme spielten gegen sich selbst: Ukrainische Drohnen erreichten erstmals den Ural

In der Nacht von Freitag auf Samstag griffen Drohnen Jekaterinburg und die Region Tscheljabinsk an — eine Rekorddistanz und ein demonstrativer Zusammenbruch des russischen Flugabwehrsystems in einem einzigen Vorfall.

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Наслідки атаки українських дронів у Росії (Фото: скриншот з відео)

Die Entfernung von der Frontlinie bis Jekaterinburg beträgt mehr als 1800 Kilometer. Genau diese Strecke, wie dem Berater des Verteidigungsministers Sergiy Sternenko zufolge, legten ukrainische unbemannte Fluggeräte in der Nacht zum 26. April zurück. Falls bestätigt, handelt es sich um einen neuen Rekord für die Reichweite ukrainischer Drohnenanschläge auf russisches Territorium.

Wie die elektronische Kriegsführung die eigenen traf

Im Zentrum von Jekaterinburg wurde das Wohnkomplexes „Trinity" beschädigt. Sechs Menschen wurden verletzt. Ein auffälliges Detail: Nach Angaben von Anwohnern gab es keine Warnung durch die Behörden oder das Innenministerium – weder Sirenenalarm noch Benachrichtigungen.

Noch aufschlussreicher ist der Grund des Treffers. Nach Aussage von Sternenko lenkte das russische System der elektronischen Kriegsführung (REW) die Drohne direkt in ein Wohngebäude – das heißt, das Schutzsystem wirkte gegen ein ziviles Objekt. Dies ist nicht der erste Fall dieser Art in ganz Russland, aber der erste registrierte Fall im Ural.

„Der Ural steht jetzt in Reichweite, seid wachsam"

– aus Mitteilungen in lokalen russischen Telegram-Kanälen nach dem Anschlag

Tscheljabinsk und die Munitionsfabrik

In derselben Nacht kam es zu Explosionen in der Region Tscheljabinsk. Nach Angaben russischer Online-Publikationen gab es eine Explosion auf dem Werk „Plastklass" in der Stadt Kopeysk – einem Unternehmen für Herstellung und Entsorgung von Artilleriegeschossen. Gouverneur Alexei Teksler bestätigte den Zwischenfall, aber die offizielle Opferzahl und die Verbindung zu ukrainischen Drohnen bleiben unbestätigt.

Warum der Ural mehr als nur Geografie ist

Die Regionen Swerdlowsk und Tscheljabinsk sind das Industrieherz des russischen Militärisch-Industriellen Komplexes. Hier befinden sich Fabriken zur Herstellung von Panzern, Raketenkomponenten, Munition und Metallverarbeitung. Der Sekretär des Russischen Sicherheitsrats Sergei Schoygu erkannte bereits im März 2025 in Jekaterinburg an: Bis vor kurzem galt der Ural als außer Reichweite, „aber heute steht er bereits unter direkter Bedrohung". Die Anzahl der Drohnenanschläge auf russisches Territorium ist fast vervierfacht – von 6200 Vorfällen 2024 auf über 23 000 im Jahr 2025.

  • Jekaterinburg – 6 Verletzte, Wohnkomplex im Stadtzentrum beschädigt
  • Kopeysk (Region Tscheljabinsk) – Explosion auf der Munitionsfabrik „Plastklass", widersprüchliche Angaben zu Opfern
  • Gesamte Nacht – nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden 127 ukrainische Drohnen über verschiedenen Regionen abgeschossen

Reichweitenbegrenzung oder neue Normalität

Während Kiew die Verantwortung für den Anschlag offiziell nicht bestätigt – der Geheimdienst GUR kommentierte den Anschlag nicht. Dies ist Standardpraxis für Operationen tiefer Penetration. Technisch gesehen könnten Drohnen mit einer Reichweite von 1800 km von Charkiw aus theoretisch sowohl Jekaterinburg als auch Tscheljabinsk abdecken – dies hatte bereits im vergangenen Jahr der Leiter des Geheimdienstes Budanov bestätigt, als er die Entwicklung entsprechender Systeme ankündigte.

Falls die Ukraine tatsächlich einen regelmäßigen Korridor zum Ural etabliert hat, lautet die nächste Frage nicht mehr „können sie es erreichen", sondern ob die Ressourcen ausreichen, um solche Reichweiten systematisch zu halten, und nicht nur bei gelegentlichen Angriffen. Die Antwort darauf wird sich in den nächsten Wochen zeigen: Sollten sich die Anschläge auf Uralische Objekte wiederholen – würde dies einen qualitativen und nicht nur quantitativen Sprung in den Fähigkeiten bedeuten.

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