70 Milliarden Euro für die Ukraine: Das NATO-Paket besteht aus neuen Geldern und bereits versprochenen – und das ist sein Hauptproblem

Deutschland drängt in der NATO auf ein Militärhilfepaket für Kiew in Höhe von 70 Milliarden Euro, doch 30 Milliarden davon sind bereits ein genehmigter EU-Kredit. Die eigentliche Frage des Gipfels in Ankara: Wer und wie viel wird neu investieren?

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Генсек НАТО Марк Рютте (Фото: EPA / Jim LO Scalzo)

Fünf ungenannte NATO-Diplomaten berichteten Politico von einem Militärhilfepaket für die Ukraine in Höhe von 70 Milliarden Euro, das beim NATO-Gipfel in Ankara am 7.–8. Juli angekündigt werden soll. Die Initiative wird von Berlin vorangetrieben. Doch wenn man die Summe nach ihren Komponenten aufschlüsselt, sieht das Bild anders aus als in den Schlagzeilen.

Woraus sich die 70 Milliarden Euro zusammensetzen

Nach Angaben von Politico ist die Struktur des Pakets wie folgt: etwa 40 Milliarden Euro sind neue bilaterale Verpflichtungen der NATO-Länder, während 30 Milliarden Euro Teil des bereits genehmigten EU-Kreditpakets in Höhe von 90 Milliarden Euro sind, das die Ukraine ohnehin hätte erhalten sollen. Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Summe ist eine Umverpackung bereits getroffener Entscheidungen unter einer neuen Bezeichnung.

Gleichzeitig enthält der deutsche Vorschlag nach Angaben der Kyiv Post unter Berufung auf Diplomaten auch eine strukturelle Neuerung: einen Mechanismus zur Verfolgung der Beiträge jedes Mitgliedslandes. Dies ist eine direkte Reaktion auf einen internen Konflikt in der Allianz – einige Staaten beklagen sich offen, dass sie einen überproportionalen Anteil der Kosten für die Unterstützung Kiews trägt.

«Der Schlüssel ist, aus Ankara ein festes Zusage zur Fortsetzung wichtiger Unterstützung für die Ukraine auf nachhaltiger und gerechterer Grundlage zu erhalten».

Hochrangiger NATO-Diplomat – Politico

Warum «Transparenz» mehr ist als nur ein technisches Detail

Der neue Transparenzmechanismus soll den Streit über die gerechte Lastenverteilung lösen. Doch wie die Diplomaten selbst in ihrem Gespräch mit Politico bemerken, gibt es hier ein Paradoxon: Wenn ein Teil der Kosten durch europäische Instrumente gedeckt wird, könnten einzelne Länder ihre direkten Beiträge senken und sich dabei auf den kollektiven Mechanismus berufen. Transparenz könnte sich als Anreiz zum Tun von mehr als vielmehr als Vorwand zum Tun von weniger erweisen.

Ein besonderer Hintergrund ist der amerikanische Faktor. Seit Trump im Januar 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, hat die amerikanische Militärhilfe für die Ukraine deutlich nachgelassen, und Friedensverhandlungen sind festgefahren, wie Radio Free Europe berichtet. Deshalb verstärken europäische Verbündete ihre eigenen Verpflichtungen – und der Ankara-Gipfel sollte eine Demonstration dieser Eigenständigkeit sein.

Türkei als Gastgeber und als Akteur

Die Wahl Ankaras als Gipfelort ist keine neutrale Angelegenheit. Die Türkei balanciert weiterhin zwischen ihrer Unterstützung für die Ukraine und ihren Handelsbeziehungen zu Russland, und einer der fünf Diplomaten nannte die Hauptaufgabe des Gipfels direkt eine «feste Zusage Ankaras» – nicht der Allianz insgesamt, sondern speziell der Türkei. Das bedeutet, dass ein Teil der diplomatischen Arbeit im Juli nicht der Höhe des Pakets gelten wird, sondern der Position des Gastgeberlandes.

Die Entscheidungen erinnern die Diplomaten gegenüber Politico, sind noch nicht getroffen – das letzte Wort liegt bei dem Treffen der Verteidigungsminister und dem Gipfeltreffen der Führungspersonen selbst.

Falls der Mechanismus zur Verfolgung der Beiträge wie angekündigt funktioniert, wird er erstmals öffentlich machen, was bisher Thema hinter verschlossenen Türen war: wer tatsächlich für die Verteidigung der Ukraine zahlt und wer nur Deklarationen unterschreibt. Aber werden die Länder, die derzeit zu wenig beitragen, einem System zustimmen, das dies festhalten wird?

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