Assoziierte NATO-Mitgliedschaft: Was Merz vorschlägt und warum Kiew noch keine Antwort gibt

Berlin hat ein Konzept des „assoziierten" Status für die Ukraine in der Allianz vorgeschlagen. Sybiga bestätigte: Die Verhandlungen laufen, aber das Ergebnis ist offen.

103
Teilen:
Андрій Сибіга (Фото: МЗС)

Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiga bestätigte, dass die Diskussion über den Vorschlag des deutschen Kanzlers Friedrich Merz bezüglich einer sogenannten „assoziierten" NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sich in einer aktiven Phase befindet. Selenskyj wird den Vorschlag in den kommenden Tagen persönlich mit den Verbündeten diskutieren.

Das Konzept selbst hat bislang keinen öffentlich festgelegten Inhalt: Weder Berlin noch Brüssel haben offengelegt, was genau der „assoziierte" Status bedeutet – welche Sicherheitsgarantien er vorsieht, ob Artikel 5 aktiviert wird, und wie er sich vom aktuellen Status Ukraines als Kandidatenland unterscheidet, den das Land 2022 erhielt.

Das ist der eigentliche Konflikt der Situation: Der Begriff klingt wie ein Schritt vorwärts, aber ohne einen Mechanismus zur Verpflichtung könnte er sich als ein Schritt zur Seite erweisen. Die Erfahrung mit dem Memorandum von Budapest – wo Unterschriften vorhanden waren, aber kein Durchsetzungsmechanismus existierte – ist in Kyjiw noch gut in Erinnerung.

Gleichzeitig hat der Vorschlag für Berlin eine innere Logik. Merz sucht nach einer Formel, die es ermöglicht, die Verhandlungsposition der Ukraine zu stärken und gleichzeitig eine Eskalation seitens Moskaus nicht zu provozieren, das traditionell jede Annäherung Kyjiws an den Bündnis als rote Linie betrachtet.

Nach Angaben von Sybiga lehnt die ukrainische Seite die Idee nicht ab, akzeptiert aber auch keine verschwommenen Formulierungen. Wie Reuters berichtet, geht die Diskussion über bilaterale Kontakte zwischen Kyjiw und Berlin hinaus und bezieht einen breiteren Kreis von Verbündeten ein.

Die Frage, die das wirkliche Gewicht des Vorschlags bestimmen wird: Wird im abschließenden Text ein konkreter Reaktionsmechanismus bei Sicherheitsverletzungen enthalten sein – oder wird dies erneut eine Erklärung ohne Durchsetzungsinstrument sein?

Weltnachrichten