Berlin verliert erstmals Wahl in UN-Sicherheitsrat – und beschuldigt Moskau einer Kampagne gegen sich

Österreich und Portugal haben sich die Plätze als nichtständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats gesichert, die Berlin für sich beanspruchte. Dies ist Deutschlands erste Niederlage bei solchen Wahlen in seiner gesamten Geschichte als UN-Mitglied — und die Abstimmung offenbarte, wie viele Länder des Globalen Südens bereits in einem Koordinatensystem operieren, das Moskau und Peking etabliert haben.

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Йоганн Вадефуль (Фото: Jalal Morchidi / EPA)

Am 3. Juni 2026 führte die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine geheime Abstimmung über fünf neue nichtständige Mitglieder des Sicherheitsrats durch. In der Gruppe Westeuropas erhielt Portugal 134 Stimmen, Österreich 131 und Deutschland nur 104. Für die Wahl waren 127 Stimmen erforderlich. Dies ist der erste Fehlschlag Berlins im Wettbewerb um einen Platz im Sicherheitsrat in allen sechs vorangegangenen Amtszeiten.

Was geschah im Saal der Generalversammlung

Das Ergebnis kündigte Annalena Baerbock an – in ihrer Rolle als Präsidentin der UN-Generalversammlung. Die ehemalige Außenministerin, die bis vor kurzem persönlich die Außenpolitik Berlins gestaltete, verlas die Zahlen der Niederlage des Kurses, den sie selbst verfolgt hatte. Die Ironie der Situation blieb in diplomatischen Kreisen nicht unbemerkt.

Außenminister Johann Wadephul, der persönlich in New York anwesend war, bezeichnete das Ergebnis als „bittere Niederlage" und wies direkt auf die Rolle Moskaus hin. Nach seinen Worten wollte Russland ein Land, das die Ukraine so offen unterstützt, nicht im Sicherheitsrat sehen.

„Wir unterstützen die Ukraine nachdrücklich, und Russland möchte eine solche Stimme im Sicherheitsrat nicht. Für niemanden ist es ein Geheimnis, dass Russland Stimmungen gegen Deutschland geschürt hat".

Johann Wadephul, Außenminister Deutschlands, Reuters

Wadephul räumte auch ein, dass die Unterstützung Israels im Konflikt in Gaza Berlin zusätzliche Stimmen kosten konnte – da Deutschland nach seinen Worten „immer eine besondere Verantwortung gegenüber Israel" trägt.

Warum verlor die größte Volkswirtschaft der EU

Der strukturelle Grund für die Niederlage ist der späte Kampagnenbeginn. Österreich kündigte seine Kandidatur bereits 2011 an, Portugal 2013. Berlin stieg deutlich später in das Rennen ein. Analytiker weisen jedoch darauf hin: Wenn ein später Start einen Rückstand von einigen Stimmen erklärt, dann deutet ein Defizit von 23 Stimmen auf ein tieferes Problem hin.

Wie Euronews bemerkt, fehlten Berlin die Stimmen vor allem in Regionen, in denen Moskau und Peking jahrelang in diplomatische Beziehungen investiert hatten. Österreich als neutraler Staat erwies sich für beide Lager als günstiger – und das siegte.

Kanzler Friedrich Merz reagierte zurückhaltend: „Wir haben mit Überzeugung kandidiert. Wir haben unser Ziel nicht erreicht. Dieses Ergebnis ändert nichts an den Aufgaben, die vor uns bei den Vereinten Nationen stehen". Die Opposition der „Grünen" wiederum bezeichnete die Niederlage als „schändlich" und machte Merz und Wadephul persönlich verantwortlich.

Der Preis der Prinzipien in einer zerrütteten Welt

Diese Niederlage dokumentiert eine echte Kluft zwischen dem, wie Berlin seine Rolle sieht – als zuverlässige Säule des multilateralen Systems – und wie diese Rolle von Dutzenden Ländern des globalen Südens wahrgenommen wird. Die Unterstützung der Ukraine und Israels kostet Stimmen: nicht nur metaphorisch, sondern buchstäblich – auf dem geheimen Stimmzettel.

  • Österreich und Portugal werden ihre Plätze ab 1. Januar 2027 einnehmen und Dänemark sowie Griechenland ersetzen.
  • Unter den anderen Neugewählten sind Simbabwe (182 Stimmen, unangefochten) und Trinidad und Tobago.
  • In dem schärfsten Konkurrenzkampf besiegte Kirgisistan die Philippinen mit dem Ergebnis 143–49.

Der UN-Sicherheitsrat bleibt institutionell gelähmt: Russland blockiert Resolutionen zur Ukraine, die USA blockieren solche zum Gazastreifen. Eine Reform der Repräsentation wird seit Jahrzehnten diskutiert und ist bisher nicht über Erklärungen hinausgekommen.

Wenn Berlin wirklich glaubt, dass genau die pro-ukrainische Position ihm seinen Platz kostete – steht es vor einer unbequemen Frage: Ist Deutschland bereit, diesen Preis 2029 wieder zu zahlen, wenn die nächste Rotation ansteht, oder wird es seine Kandidatur an die Erwartungen jener Stimmen anpassen, die heute gefehlt haben?

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