Großbritannien erlaubt Amerikanern, iranische Raketenlager zu bombardieren — zieht aber eine Grenze bei Öl und Kraftwerken

London hat eine strikte Grenzziehung vorgenommen: Verteidigungsschläge ja, Angriffe auf Zivilinfrastruktur nein. Hinter dieser Grenze steht rechtliche Logik, nicht diplomatische Höflichkeit.

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Кір Стармер (Фото: Betty Laura Zapata/EPA)

Als Kier Starmers Sprecher Tom Wells am Dienstag auf Fragen zu Trumps Drohungen antwortete, iranische Brücken und Kraftwerke zu bombardieren, sagte er nichts Neues. Er erinnerte lediglich daran: Diese Position existiert seit Beginn des Konflikts.

Doch hinter dieser Bemerkung verbirgt sich eine konkrete Architektur von Genehmigungen und Verboten, die London bereits seit mehreren Monaten aufbaut.

Was Großbritannien erlaubt und was nicht

Wie Bloomberg berichtet, hat sich die Regierung Großbritanniens bereit erklärt, Amerikanern Basen für einen „spezifischen und begrenzten Verteidigungszweck" bereitzustellen — Anschläge auf iranische Raketenstartplätze und Raketenlager. Zu dieser Kategorie gehören insbesondere die Luftwaffenbasis Diego Garcia im Indischen Ozean und RAF Fairford in Gloucestershire.

Aber Angriffe auf Energie- und Zivilinfrastruktur — Ölterminals, Kraftwerke, Brücken — fallen außerhalb dieser Genehmigung. Die Position ist unveränderbar: London verweigert dies unabhängig davon, was Washington behauptet.

Warum es sich um eine Rechtsfrage handelt und nicht nur um Diplomatie

Tim Ripley, Redakteur der Publikation Defence Eye, erklärte Londons Logik: Nach Aussage Ripleys sind britische Regierungsjuristen zunächst zu dem Ergebnis gekommen, dass Angriffe der USA und Israels auf den Iran nicht der rechtlichen Definition der Selbstverteidigung gemäß der UN-Charta entsprechen. Deshalb weigerte sich Starmer zunächst, Amerikanern überhaupt Basenzugang zu gewähren — bis iranische Raketentenansgriffe auf verbündete Golfstaaten die rechtliche Situation änderten.

„Die britische Regierung kam zunächst zu dem Ergebnis, dass Angriffe auf den Iran nicht der Definition der Selbstverteidigung gemäß UN-Charta entsprechen"

Tim Ripley, Redakteur von Defence Eye, für Al Jazeera

Angriffe auf Zivilinfrastruktur überschreiten diese Schwelle nicht einmal nach der aktualisierten Rechtsanalyse — daher die konstante Ablehnung.

Der Preis dieser Grenzziehung

Londons Weigerung kostet es bereits diplomatische Reibereien. Trump warf Briten öffentlich Langsamkeit bei der Bereitstellung von Basen vor und nannte NATO-Verbündete „Feige" für ihre Unwilligkeit, Schiffe zur Öffnung der Straße von Hormus zu entsenden. Zuvor nutzte er auch Starmers Weigerung als Argument in der Auseinandersetzung über die Chagos-Inseln — wo sich dieselbe Basis Diego Garcia befindet.

Währenddessen hat die iranische Seite bereits britische Objekte angegriffen: Eine Drohne fiel auf die Landebahn der RAF Akrotiri auf Zypern, zwei weitere wurden abgefangen. Danach bestätigte Starmer dem zyprischen Präsidenten persönlich: RAF Akrotiri ist für Angriffe auf iranische Ziele für Amerikaner nicht offen.

Was kommt als Nächstes

Die britische Position gründet auf rechtlichem Fundament — und genau dieses bestimmt ihre Widerstandskraft. Sollte der Iran einen direkten Anschlag auf britische Objekte oder Bürger in einem Ausmaß verüben, das Londons Juristen als bewaffneter Angriff einstufen, könnte sich die Logik der „begrenzten Verteidigungsgenehmigung" erweitern — und dann würde die Linie zwischen „Raketenlagern" und „Kraftwerken" nicht mehr so unumstößlich sein.

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