Ein Gesprächspartner aus dem Umfeld von Kyrylo Budanow sagte LIGA.net, dass er dies nicht als „Forderung" bezeichnen würde. Aber die Tatsache bleibt Tatsache: Erfahrung in der Zusammenarbeit mit amerikanischen Partnern war eines der Argumente, als Zelenskyj nach dem Rücktritt von Andrij Yermak einen neuen Leiter des Präsidentenbüros wählte.
Das ist keine diplomatische Abstraktion. Nach Angaben der Washington Post unterhielt Budanow, während er Leiter des GUR war, inoffizielle Kontakte zu Vertretern aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump — parallel zu den Aktivitäten von Yermak, der alle Kommunikationskanäle selbst kontrollieren wollte.
Yermak blockierte — Budanow umging
Budanows Kontakte zu amerikanischen Beamten liefen parallel zur Kommunikation von Yermak ab. Insbesondere sprach er mit Trumps Sonderbeauftragtem Keith Kellogg und dem Team von Vizepräsident J.D. Vance. Hingegen versuchte Yermak, diese Kommunikation zu blockieren — sowohl direkt als auch über den Präsidenten der Ukraine.
Politico vermutete, dass Yermak in Budanow einen Rivalen sah und mehrfach versuchte, ihn zu entlassen, doch der ehemalige Geheimdienstchef „überlistete ihn".
„Diese Ernennung soll Bedenken hinsichtlich eines Korruptionsskandals zerstreuen, der den vorherigen Hauptassistenten beseitigt hat"
Die Washington Post — über die Ernennung Budanows zum Leiter des Präsidentenbüros
Yermak trat am 28. November 2025 von seinem Posten zurück — am selben Tag, an dem NABU-Ermittler sein Wohnhaus und sein Büro im Rahmen einer Untersuchung eines Korruptionsskandals im Energiesektor durchsuchten. Für ihn war dies völlig überraschend.
Was sich operativ verändert hat
Budanow übt keinen Druck auf Abgeordnete aus, provoziert keine offenen Konflikte und tritt fast nicht öffentlich in Erscheinung — steigt aber stabil in den Präsidentschaftsumfragen.
Während die Zusammenarbeit zwischen Yermak und Zelenskyj auf informellem Vertrauen und persönlicher Freundschaft aufgebaut war, wurde diese Kommunikation mit Budanows Ernennung formalisierter, institutioneller und dienstlicher.
Es wird erwartet, dass Budanow die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges, Garantien der USA und Partner sowie Sicherheitsfragen an der Spitze der ukrainischen Delegation leiten wird. Nach Angaben der Washington Post spielte Budanow trotz seines Rufs als harter „Falke" eine wichtige, wenn auch nicht öffentliche Rolle in den Friedensverhandlungen Anfang 2025 und zeigte sich als einer der nüchternsten und realistischsten Gesprächspartner.
Aber hier gibt es einen Riss zwischen Personallogik und Realität: Die Ernennung wurde mit „Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Partnern" erklärt, und die ersten 100 Tage zeigten, dass Budanow sich bewusst im Hintergrund hält — er übernimmt keine öffentliche Rolle, verdrängt keine anderen Entscheidungszentren.
Wenn die Verhandlungen mit den USA in eine Phase eintreten, in der nicht der Ruf, sondern eine konkrete Position zu Territorien erforderlich ist — wird sich dann herausstellen, dass „Akzeptanz für Washington" und „Fähigkeit, ukrainische Interessen am Verhandlungstisch zu schützen" nicht dasselbe sind?